Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899454
Richtung 
der 
altchristliclnexx 
Kunst. 
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spätcrn Jahrhunderten religiöser Sehnsucht und mystischer 
Deutungen wieder flüchtig und allgemein, und die Natur 
galt, in ähnlicher Weise wie in dieser christlichen Sym- 
bolik, nur als ein Scheinbild, hinter welchem Anderes 
gesucht wird. Nur war es bei diesen Heiden in noch 
viel höherm Grade flüchtig. Denn bei den Christen, na- 
mentlich wenn sie bdie historischen Gegenstände ihrer 
heiligen Geschichte darstellten, mischte sich ein Geist 
der Ehrfurcht und Liebe ein, der unwillkürlich ihren Ge- 
bilden mehr Wärme und Leben gab.  
Auf dieser Aehnliehkeit der Stimmung beruhte es 
denn, dass jene christlichen Bildner die Formen der 
römischen Kunst nicht bloss aus Gedankenlosigkeit bei- 
behielten, sondern auch mit Neigung und VVohlgefallen 
anwendeten. Beruhigt und friedlich gefielen sie sich in 
diesem nicht bloss frommen, sondern auch heitern Spiele 
mit den natürlichen Gebilden, und es ist ein schönes 
Zeugniss ihres festen Sinnes, dass auch die Nähe der 
Gräber diese Heiterkeit nicht trübte. 
Auf der Verschiedenheit der christlichen Weltansicht 
von der heidnischen beruhen dagegen die Vorzüge der 
christlichen Werke vor den gleichzeitigen heidnischen. 
Unter diesen ist vor Allem wichtig, dass die architek- 
tonische Grundlage der Kunst eine neue wird. Wir sahen 
schon, wie in der Baukunst die perspectivische Gestalt 
der Basilika sich deutlicher zeigt; ebenso ist es in der 
Plastik. Jene l-Ialbheit des römischen Reliefs, welche die 
einfache Strenge des Profilstyls nicht mehr festhalten 
kann, aber auch noch kein anderes Prineip der Anordnung 
findet, ist auf den christlichen Sarkophagen verschwunden. 
WVir sehen hier die Flächen nach symmetrischen Rück- 
sichten eingetheilt. die Mitte als solche, die Seitenfelder
        

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