Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880912
Die 
Götter. 
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oder auch nur tapfer war, sondern weil er es ihm nicht 
an Opfern mangeln lassen. Aber obgleich die Götter so 
sprechen, fällt doch ihre Gunst meistens nur auf die 
Wiirdigen, wenigstens tritt sie bei diesen im Gedichte 
deutlicher hervor. Man darf dies als eine leise Inconse- 
quenz betrachten; das sittliche Ideal, das dem Dichter 
vorschwebt, ist noch nicht ganz durchbildet. Auch cr- 
scheint alles dieses nur in der Ilias so stark; in der 
Odyssee ist diese Durchbildung schon weiter vorgeschrit- 
ten, die moralische YVeltansicht schon bestimmter gewor- 
den. Zeus rügt es hier, dass die Menschen ihre Leiden 
den Göttern zur Last legten, während sie selbst sie 
verschuldet hätten. Bei dem Menschen tritt also schon 
deutlicher der Gedanke an Selbstbestimmung ein, aber 
die Götter sind auch hier noch durchweg nicht die Vor- 
bilder des Guten; für menschlicheSitte giebt nur das 
eigene Gesetz der Menschen den lllaasssmb, Dessen 
ungeachtet können wir in einer tiefern Beziehung schon 
hier die Götter als ein Ideal der griechischen Sittlichkeit 
betrachten; sie sind abgerundete, in sich beruhende indi- 
viduelle Gestalten; sie geben ein Bild jener Freiheit und 
Harmonie, auf welcher die Sittlichkeit des Griechen be- 
ruhete. 
In diesem Sinne fasste sie denn lauch die spätere 
Zeit mehr mit Bewusstsein auff Jene Mythen gehören 
jetzt einer dunkeln Vorwelt an, sie werden mit Ehrfurcht 
und ohne moralische N ebenbeziehung aufgenommen, oder 
es wird nur das Gute herausgedeutet. Es ist mehr als 
wahrscheinlich, dass die Mysterien eine Aufklärung dar- 
über gaben, wie die Mythen zu deuten und jene an- 
scheinenden Vergündigungen der Götter zu erklären seien. 
Am reinsten ist diese Auffassung bei Pindar,l(lerw es
        

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