Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880895
Die 
Götter. 
ausgebildet werden, ohne dass man auf menschliche Sin- 
gularität und Unregelmässigkeit einzugehen brauchte. 
Ihre Götter wurden dadurch Vorbilder der Gestaltung 
verschiedener Alterstufen, Geschlechter, Sinnesweisen, 
in welchen die unzähligen Abweichungen der Menschen 
gleichsam auf einige Gattungen zurückgeführt Werden.- 
Zwar waren diese Götter in gewissem Sinne sehr 
schlechte moralische Vorbilder. Manche Sagen, welche 
ursprünglich nur das Walten und die Macht der Natur- 
kräfte in mythischer Einkleidung darstellten, enthielten 
jetzt, da die Götter wie menschliche Gestalteirangesehen 
wurden, Handlungen, welche auch nach griechischen Be- 
grilfen entschieden unsittlich waren. Allein der griechische 
Sinn nahm daran keinen Anstoss; mit der grössestcn 
Unbefangenheit erzählte man diese Thaten nach KViGVOY, 
ohne sie einer moralischen Kritik zu "unterwerfen oder 
davon Anwendung auf die Menschen zumachen, ßiese 
Unbefangenheit, die dem christlichen Sinne, der sich die 
Gottheit als den Urquell aller sittlichen Vollkommenheiten 
denkt, so schwer begreiflich ist, findet sich in Homers 
Dichtungen noch im vollsten Maasse. Seine Götter sind 
zwar an äusserer Grösse Wund Macht überirdisch, sonst 
aber fast nur in ihren Schwächen und Leidenschaften 
menschlich. 
Hass und Rachsucht sind bei ihnen ohne Maass, sie 
weinen , wenn ihr Zorn nicht Befriedigung erlangt. 
Schmeicheleien und Verführungen finden bei ihnen Ein- 
gang; selbst der Vater Zeus wird getäuscht als Hera 
sich ihm mit dem Gürtel der Aphrodite nahet. Aphrodite 
ist Weichlich und fast feige, Ares grausam, Hera uner- 
bittlich stolz. Die Menschen, Obglßißll die Naivßtät des 
Dichters auch sie durchweg als lßidellsßllafllißll und
        

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