Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880886
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Plastische 
Anlage 
der 
Griechen. 
uns zum Porträtartigen hinneigen konnten. Hätten auch 
nicht, wie es wirklich geschah, Gesetze eingegriffen, 
hätten auch nicht die Philosophen gelehrt, dass man die 
Menschen schöner machen müsse als sie seien, so würde 
schon das Gefühl davon zurückgehalten haben. Denn 
man War gewohnt, nur die regelmässige Ausbildung der 
natürlichen Anlagen zu schätzen, man hatte kein Auge 
für das Ungewöhnliche, Sonderbare, Phantastische. An- 
fangs Waren Porträtbilder unerhört, oder doch nur als 
Belohnung mehrmaliger Siege in den Kampfspielen gea 
stattet; später, als sie häufiger wurden, beobachtete man 
an ihnen eine weise Milderung des Ungevsröhnlichen und 
Zufälligen. 
Mit diesem Sinne für das Allgemeine und Regel- 
mässige verbindet sich aber bei den Griechen der Sinn 
für das Individuelle im besten Sinne des iVol-tes. 
Regelmässig sind auch die Gestalten der Aegypter, sie 
gleichen sich alle. Das Wesen der Menschen aber 
bringt es mit sich, dass sie sich nicht gleichen, sondern 
nach Alter, Geschlecht und endlich nach persönlicher 
Sinnesweise sich unterscheiden, und die griechische Kunst 
wusste diese Verschiedenheiten mit aller Lebensfülle 
aufzufassen. Allein jene Scheu vor dem völlig Verein- 
zelten, Zufälligen in der menschlichen Natur wirkte auch 
hier ein; wie sie eigentliche Porträtbilder im vollsten 
Sinne des Wortes vermieden, so gingen sie auch bei 
der Darstellung ihrer Götter nicht bis ins völlig Porträt- 
artige über. IeIier War eine würdige Aufgabe ihres Kunst- 
sinnes; da die Würde des Gottes ohnehin ein höheres, 
reineres, von den Spuren natürlicher Schwächen nicht 
beflecktes WVesen voraussetzte , so konnte hier der 
Charakter xiöllig individualisirt, lebendig und handelnd
        

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