Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880867
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Plastische 
Anlage 
der 
Griechen. 
Denkungsiveise nicht entspricht, den Charakter der Wahr- 
heit und Freiheit, und eines edeln, wünschenswertheir 
Stolzes. 
Die moralische Aufgabe war, alle Kräfte des Men- 
schen aufs Vollkommenste und zu einem harmonischen 
Ganzen auszubilden. Jeder wurde daher nicht ilaeh einem 
allgemeinen Sittengesetz gemessen, welches nur gewisse 
Seiten an ihm beleuchtete, sondern in seinem ganzen 
Wesen gewürdigt. Man fragte nicht, ob er in diesem 
oder jenem gut und geziemend, sondern ob er ein Guter 
und Schöner sei. Es ist einleuchtend, wie hiedurch die 
'l'hatkraft gesteigert wurde, wie sehr viel seltener, als 
bei uns, die bloss Leidenden, Gleichgültigen sein muss- 
ten, wie aber auch die Feinheit und Schärfe des mora- 
lischen Urtheils geübt wurde. Denn da es kein ausge- 
sprochenes moralisches Gebot gab, auf welches man sich 
beziehen konnte, ohne selbst zu entscheiden, so beruhete 
Lob und Tadel nur auf dem eigenen, lebendigen Gefühl 
der Bessern, welches sich dadurch gewohnte, das Gute 
und Anständige wie das Unwürtlige schon in seiner 
iiussem Gestalt zu erkennen, jenes mit YVohlgeFallen 
anznblicken, von diesem sich missbilligenrl abzuwenden. 
Sie betrachteten daher das Gute wie das Schöne, 
ihre Sittenlehre wurde eine Schönheitslehre. 
Dadurch erhielt denn die Kunst eine eigenthiimliche 
Stellung; sie wirkte als Beispiel des Schönen auch m0- 
ralisch veredelnd oder verschlechternd auf das Gemüth, 
ein unschönes Werk konnte ein Attentat auf die öffent- 
liche Sittlichkeit werden, nicht etwa, wie bei uns, durch 
seinen Inhalt, sondern durch die Form. Es drohte, da auf 
der freien Zustimmung und dem sittlichen Gefühl der 
Staat. beruhete, dem Bestehen desselben Gefahr. Nicht
        

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