Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880798
Stylgesctze. 
auf diesen selbstständigen Göttergestalten. Selbst die 
Natur ist nicht bloss Ein Ganzes, sondern sie löst sich 
in viele einzelne, mensehenähnliehe Wesen auf. Ja end- 
lich das gemeinsame Vaterland der Ilellenen, das geliebte 
Land der Sitte und der Kunst, obgleich es einzig Lmter 
den Barbarenvölkeril der übrigen Erde dasteht, ist für 
den Griechen nicht ein einiges Land oder Reich, son- 
dern das bewegte und getheilte Gemeinwesen seiner 
Staaten und Städte. 
Ueberall mithin zeigt sich die höhere geistige Eim 
heit zunächst und äusserlich in einer Mehrzahl freier und 
selbstständiger Glieder, und diesen Grundgedanken sehen 
wir denn auch in den freistehenden Säulen der Halle 
ausgeprägt.  
Aber durch die scheinbare Vereinzelung wird die 
innere Einheit nicht aufgelöst, sondern vielmehr kräftiger 
und Wirksamer gemacht. Die Götter sind Genossen des 
olympischen Mahls, dem gleichen Schicksal unterworfen. 
Die belebten Geister der Natur berühren sich durch ihren 
proteusartigen Wechsel als innerlich verbunden, sie tauchen 
auf und sinken zurück. Die Einheit beruht in der Gleich- 
heit des Vielen, und das, was die Natur in ihrem Gebiete 
unwillkürlich hervorbringt, bewirkt im Gebiete mensch- 
licher That die Sitte und Erziehung. S0 wird der Jüng- 
ling in der Palästra in körperlicher Uebung ausgebildet, 
dass er selbstständig in Kraft und Schönheit heranwachse, 
aber zugleich in geistiger Demuth, dass er die Götter 
ehre und die Gesetze der Stadt über alles achte, damit 
seine vereinzelte Kraft nur dem Ganzen diene. 
Und 
S0 
sehen 
wir 
denn 
in 
der Säulenhalle 
des Tenn- 
pels das Abbild oder das Urbild dieser Anschauung. 
Schön gerundet und selbstständig, in stolzer Kraft und
        

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