Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885404
532 Römische Kunst. 
die Einheit der Lebensfunctioneil durch einen Naturinstinct 
besteht und daher niemals in freier Entwickelung sich 
gestalten kann, wird bei diesen Ilellenen der Lebenstrieb 
nur durch bewusste Mässigung unterdrückt. Sie haben 
schon in dieser Vorzeit das Gefühl einer höhern Freiheit 
und nur eine jugendlich fromme Scheu hält sie noch zu- 
rüek. Nachdem sie die Schranken durchbrochen , mit 
raschen Schritten das Gebiet der Geistesfreiheit nach 
allen Richtungen durchmessen haben , ist das Ziel er- 
reicht; es gilt nur zu behaupten, nicht zu erobern. Das 
Reich der Natur ist überwunden , die Herrschaft des 
Geistes hat begonnen. Alle geistigen Funetionen gehen 
nun selbstständig und regelmässig, weil sie von einan- 
der gelöst sind, nur durch innere Harmonie zusammen- 
hängen. Die Wissenschaft, die Kunst, die Humanität 
sind jetzt erkannt, sie bestehen für immer, sie können 
nicht wieder in die chaotische Einheit eines unklaren 
Naturlebens zurückkehren. Darum haben diese Gestal- 
tungen, wie sie jetzt erlangt sind, eine bleibende Gel-- 
tung, sie sind unvergänglich. bDas geistige Leben der 
friihern Völker, das mit ihrer Nationalität enge ver- 
wachsen war, kann nur durch historische Forschung als 
ein verschwindendes Bild dem Auge wieder vorgezauhert 
werden; die Leistungen der Griechen bleiben immer in 
praktischer WVirksamkeit, jedes spätere Volk steht zu 
ihnen in mehr oder minder bewusster Beziehung, lehnt 
sich an sie an , benutzt was sie gewährt haben, erwei- 
tert nur die Gränzen, von denen sie noch eingeschlossen 
Waren. 
Denn allerdings war dicscs Ziel, welches die alle 
Welt erreicht hatte, noch nicht das letzte. Ihre geisti- 
ge Bildung haftete noch fest an dem Boden der Natur,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.