Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885366
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Römische 
Kunst. 
darstellte. Den vollen Genuss dieses Besitzes erlangte 
zwar die römische Welt noch nicht; die Schuld des 
Erwerbes lastete auf ihr, die Sinnlichkeit desgriechisclnen 
Geistes, die blutbefleckte I-Iabsucht des römischen be- 
straften sich durch ihre Folgen. Nur in den besten 
Momenten des Kaiserreiches, die freilich rasch vorüber 
gingen, zeigte sich ein Schimmer dieses Glückes. Aber 
dennoch bildete sich ein immerhin schönes Verhältniss; 
die Annahme griechischer Kunst und Wissenschaft mil- 
derte die Härte des römischen Sinnes. Es War eine 
Gemeinschaft, zu welcher beide Theile etwas einbrach- 
ten, das Abendland, durch Rom vertreten, den Ernst der 
Ilerrschaft und des Gesetzes, das Morgenland, schon 
früher zu griechischer Sitte bekehrt, die Freiheit des 
Gedankens und die Schönheit der Form. Durch die Stel- 
lung der Griechen zu den Römern erhielt dies Verhält- 
die 
nur 
niss eine eigenthümliche Frische und Wärme. Dass 
Gebietcr der Welt bei allem Uebermuthe und bei der 
zu oft gerechten Verachtung, mit welcher sie die Griechen 
behandelten, so demüthige, so verehrende Schüler ihrer 
Kunst und Wissenschaft Waren, musste diese anreizen 
und ermuthigen. Sie waren fast in die Lage einer Frau 
gekommen, welche durch die Huldigung eines hohen 
Mannes belebt, ihre Anmuth freier und mit Sicherheit 
entfaltet. Die Kraft der Producticn war freilich nicht 
mehr die frühere, es bedurfte ihrer aber auch weniger, 
weil schon alles Wesentliche vorräthig war. Die Anlage 
erhielt sich; sie ist immer an eine frühe Richtung des 
Geistes geknüpft, bei den Griechen war die künstleri- 
sche Fähigkeit erblich geworden und bedurfte nur geringer 
Nahrung.
        

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