Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880485
Griechische 
Architektur. 
gekrümmten Seite, über den zusammentrelfenden Schnör- 
keln ist eine Blume angelegt. Uebrigens waren Blätter, 
Knospen und Stengel nicht von  einem Baume, sondern 
von einem Kraut, Acanthus oder Bärenklau, genom- 
men, dessen volle breite Formen sich am Besten dazu 
eigneten. S0 wenigstens bei der gewöhnlichen. und re- 
gelmässigen Form dieses Kapitals, das bei seiner grössern 
liiamiigfaltigkeit auch freier und mit grössern Verände- 
rungen als die andern angewendet? wurde.    
Vergleicht man hiernach das  korinthische Kapital 
mit den beiden andern Säulenordnungen, so zeigt sich, 
dass es mit ihnen die Tendenz gemein hat, die Rundung 
des Stammes in das Viereck hiniiberzuleiten, dass aber 
diese Aufgabe im dorischen Styl. rein und unmittelbar 
aus der Natur des Steines gelöst ist, während in den 
beiden andern die Phantasie noch andere verwandte Vor- 
stellungen herbßiführt, im ionischen die der Elasticität, 
im korinthischen die des vegetabilischeil Lebens. Auch 
hier verliert sich die Architektur zwar nicht in eine bild- 
liche Nachahmung der Natur, aber sie verbirgt gleichsam 
ihre eigentlichen mechanischen Zwecke, indem. sie die 
Kelchform des Kapitäls mit Blättern bekleidet und selbst 
das Viereck der Platte nicht gradlimg scharf zeichnet, 
sondern nur durch die vertretenden Ecken andeutet. Man 
sieht daher in den drei Säulenordnungen ein inneres Ge- 
setz der Fortbildung der architektonischen _F0rmen, wenn 
man auch zugeben kann, dass das Einzelne nicht mit 
völlig zivingender N othwendigkeit daraus hervorging, 
sondern sich vielleicht auch anders gestaltet haben könnte. 
 An eine zufällige Erfindung des korinthischeil Kapi- 
tals ist wohl ebensowenig wie an die des ionischen zu 
glauben. Dennoch erzählt Vitruv eine solche, und zwar
        

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