Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885335
Ihre 
Welthistorische 
Bedeutung. 
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ausgesprochen. Auf dem ganzen Gebiete des höhern 
geistigen Lebens geben also die Römer ihre Eigenthiim- 
lichkeit auf, um der der Griechen z11 huldigen. 
VVir erwähnten schon früher, dass dies Verhältniss 
zweier Völker hier zum ersten Male in der Weltgeschichte 
erscheint. Bisher war stets die Kunst durch einen Na- 
turinstinct aus dem Boden des Volksgeistes hervorge- 
wachsen, jedes Volk verstand die Kunst des andern 
ebensowenig wie seine Sprache. Der Grieche, der den 
ägyptischen Tempel betrat, staunte ihn mit Missbehagen 
als 'l'horenwerk an. Juden und Perser bedienten sich 
fremder Baumeister, aber nur für einzelne Werke der 
Ziveckmässigkeit oder Pracht; an die begeisterte, ver- 
ehrende-Nachahmung einer. ganzen Kunst oder gar aller 
Künste eines andern Volks war dabei nicht zu denken. 
Freilich waren Griechen und Römer verwandten Stame 
mes, durch Natur und Sprache nicht so weit geschieden, 
wie jene, aber immerhin war doch auch bei ihnen eine 
bedeutende natürliche und sprachliche Verschiedenheit. 
vorhanden, die überwunden werden musste. 
In Beziehung auf die Kunst hatte dies höchst wich- 
tige Folgen; sie wurde erst dadurch völlig frei und 
selbstständig. Bei den frühern Völkern erschien sie wie 
ein unbewusst entstandenes Erzeugniss des Bodens, wir 
mussten sie aus der Natur des Landes erklären. Den 
Römern galt sie gleich anfangs als eine geistige Ueber- 
lieferung, welche sie aufnahmen und auf alle Länder 
übertrugen. Durch die Macht ihrer Waffen brachen sie 
die Schranken der Völker auch in dieser Beziehung; im 
Nilthale wie auf den Bergen Palästintfs, am Rhein, wie 
auf der iberischen Halbinsel, überall wurde die Kunst 
auf gleiche Weise geübt. Es lässt sich nicht verkennen,
        

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