Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885103
502 
liönxischc 
Sculptur. 
einigernlassen an manche Darstellungen des Bacchus, nur 
dass bei diesem die Schwermuth immer mit einem weich- 
liehen Zuge in Verbindung steht, Während hier die For- 
men des Gesichts und noch mehr des Körpers, namentlich 
die fast übertrieben breite und starkgesvölbte Bildung 
der Brust, etwas sehr Kräftiges haben, etwa wie ein 
junger Hercules. Dadurch wird jener Zug des Schmerzes 
ernster und ergreifender. Wenn auch durch eine be- 
stimmte Persönlichkeit entstanden, gewann diese Gestalt 
durch die häulige Behandlung eine ideale Bedeutung, und 
es lässt sich nicht verkennen, dass sie nicht ohne eine 
eigenthümliche Poesie war. Freilich ist es nicht mehr die 
frische der griechischen Zeit, sondern die sentimentale 
des ermattenden Alters. Es spricht sich darin ein der 
damaligen römischen Welt höchst natürliches Gefühl der 
Krankheit bei dem Besitze voller, äusserlicher Kraft, der 
Hoffnungslosigkeit mitten im Genusse aller irdischen 
Güter aus. Ganz neu war freilich weder dieser Gedanke, 
noch der Ausdruck desselben. Alle Züge, welche dazu 
dienten, gehören schon der griechischen Idealbildung an, 
die jugendlich bedeckte Stirn, das beschattete Auge, die 
volle Riindung der Lippen und des Kinns, der kräftige 
Bau des Körpers; auch in dieser ist daher schon ein 
Anklang jenes schwermüthigen Zuges. Aber dort gehörte 
Weihung darstellen wollte, wo er (wie Goethe's Fischer) starr auf 
die Wellen blickt, die ihn aufnehmen sollten. Welcher, das akad. 
Kunstmuseum S. 53. Indessen geht diese Auffassung doch wohl zu 
sehr in das Momentane und Malerische über, als dass wir sie einem 
antiken Künstler unterlegen können. Auch in dieser Bewegung des 
liaupts glaube ich nur den Ausdruck einer melancholischen Schwär- 
merei, welche im Zeitalter des Antinous schon weit verbreitet war 
und in diesem Jüngling sich besonders ausgebildet haben mochte, 
vielleicht etwas stark ausgedrückt, zu erkennen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.