Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885099
Antinous. 
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Jüngling aus Bithynien, der in die Nähe und Gunst dieses 
Kaisers gekommen war und ihn auf der Reise in Aegypten 
begleitete, ertrank hier auf eine räthselhafte Weise im 
Nil. Man sagte, dass er sich für seinen Herrn geopfert, 
um eine unheildrohende Weissagung durch seine Stell- 
vertretung abzuwenden. Die Dankbarkeit für diese Hin- 
gebung oder der Schmerz über den Verlust des Lieblings 
veranlasste den Kaiser, sein Andenken mit leidenschaft- 
licher Verehrumg zu feiern. In Aegypten selbst baute 
er ihm zu Ehren eine Stadt, Antinoe, mit Beziehung auf 
seine Heimath im griechischen Styl; an vielen Orten liess er 
ihm Tempel errichten, und die Künstler mussten ihm die 
Züge des Lieblings, mehr oder weniger idealisirt, oft 
gmit den Attributen des einen oder andern Gottes, in 
unzähligen Darstellungen Wiederholen. Eine grosse Zahl 
dieser Statuen oder Büsten ist uns erhalten und mehrere 
derselben nehmen einen hohen Rang unter den Meister- 
werken des Alterthums ein i). Die Bilder des Antinous 
sind leicht kenntlich an der niedrigen, zum Theil von 
Locken verdeckten stark vertretenden Stirn, den tieflie- 
genden Augen und gesenkten Brauen, dem eigenthümlich 
vollen Kinn und Munde. Sie geben sehr entschieden den 
Ausdruck eines jugendlichen Wesens, das mit allem aus- 
gestattet, was zum Genusse des Lebens auffordert und 
berechtigt, in der Fülle seiner Kraft und Schönheit von 
einer sanften Schwermuth tief ergriffen ist  Sie erinnern 
ü) Der berühmte Maler Poussin erklärte einige dieser Statuen 
gradezu für Muster der Schönheit, ein Urtheil, welchem man freilich 
jetzt nur in sehr bedingtem Sinne beistimmeil würde. 
w) Einige glauben die Neigung des Ilauptes, welche sich an 
mehrern Bildsäillen des Anünons, namentlich an der im Capitol lindet, 
auf eine bestimmte Situation beziehen zu müssen, indem sie sich 
denken, dass der Künstler den Jüngling in dem Augenblicke Seiner
        

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