Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884900
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Römische 
Architektur. 
Eindruck einer Naturmacht, hier sehen wir menschliche 
Grösse; jene wirkt niederschlagend, diese anregend und 
befreiend. Wir fühlen uns hier auf einer höhern Stufe 
des geistigen Lebens. 
Jenen frühern Bauweisen steht die römische gegen- 
über Wie das Bedingte dem Unbedingten; sie enthält 
gewissermassen eine Mischung verschiedener früherer 
Tendenzen, aber sie hat eben dadurch eine, und zwar 
eine nicht unwürdige Eigenthümlichkeit. In neuerer Zeit 
bei der allgemeinen Richtung unserer Kunst auf das Ideale 
ist man häufig gegen die römische Architektur ungerecht; 
man sollte, wie billig, die griechische Kunst als die 
höhere und reinere ehren, ohne deshalb die praktische 
Bedeutung und den ästhetischen Werth, den auch diese 
vermittelnde Kunststufe hat, zu verkennen. 
Nach dem Augusteisehen Zeitalter hob sich die rö- 
mische Kunst nicht weiter, sie erhielt sich aber noch 
lange auf. dieser Höhe. Die rasende Kunstliebe Nero's 
konnte ihr freilich nicht günstig sein, aber wir finden 
auch nicht, dass sie erhebliche Nachtheile gestiftet; 
vielleicht trug sie dazu bei, die Neigung zu einer über- 
ladenen Pracht, zur Häufung der Glieder und Ornamente 
zu befördern. Das römische Kapitäl, das wir, wie gesagt, 
am Triumphbogen des Titus zuerst finden, ist schon 
ein Zeichen des sinkenden Geschmacks, indem es die 
zarte Grazie des korinthischen Blattwerks durch die 
schweren ionisehen Voluten aufhebt und, wenn ich so 
sagen darf, knickt. Dennoch war im Ganzen der Styl 
unter der Regierung dieses Kaisers noch ein sehr reiner. 
Schon jener Bogen selbst zeigt sehr reine und edle Ver- 
hältnisse; ausserdem haben wir aber sehr sichere Bei- 
spiele der Baukunst zu Titus Zeit in den Gebäuden von
        

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