Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884875
Zeitalter 
Augusts. 
479 
nicht, es setzt ein WVerden voraus, ein Streben nach 
einem noch nicht erreichten Ziele. Daher zeigte sich 
schon am Pantheon selbst, dass diese mathematische 
Regel künstlerisch nicht durchzuführen sei. Die Mauer 
musste hoch hinaufgeführt werden, so dass im Aeussern 
die Kugelgestalt nicht mehr zum Vorschein kommt; ein 
Portikus wurde nöthig, der mit seiner graden Linie an 
die Kreislinie des Rundbaues höchst willkürlich und regel- 
los anstösst. Hier, wie überall wo man eine schroffe, 
todte Regel ins Leben einführen will, musste man der 
Wirklichkeit ein Opfer bringen, gegen die anerkannte 
und heiliggehaltene Regel sündigen. Dies war beständig 
das Schicksal der römischen Architekten. Der Grundge- 
danke des Einfachen, höchst Regelmässigen, des Grossen, 
lllassenhaften, Erhabenen schwebte ihnen vor; dabei aber 
hatten sie auch das Streben nach griechischer Anmuth, 
nach reichem Schmucke, heiterer Lebensfülle. Diese aber 
ergab sich nicht aus jenem, daher blieb denn nichts übrig, 
als den Schmuck wie eine fremde Zuthat, Wie ein Ge- 
borgtes daran zu heften. Dies ist der tiefeingreifende, 
nicht genug zu beachtende Unterschied der griechischen 
und der römischen Architektur, dass dort alles einig, aus 
freiem Gefühle hervorgegangen War, Während hier immer 
ein innerer Widerspruch, ein unverbundenes Streben nach 
Grossheit und Zierliehkeit wahrnehmbar ist. Dieser Un- 
terschied findet sich aber nicht bloss in der Architektur, 
sondern in allen geistigen Aeusseruxigen beider Völker. 
Wir berühren hier eines der innersten Mysterien alles 
künstlerischen und ethischen Handelns. Dem unbefangenen, 
fromm sich hingebenden Sinne erblüht auf seinem Streben 
nach dem ernsten und hohen Ziele auch das Heitere und 
Anmuthige ; 
geniesst 
ES 
ohne 
davon 
Zll 
leiden. 
VVer
        

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