Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884435
Rundgebäude. 
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sehen Daches liess sich hier nicht anwenden, und ein 
durchweg zugespitztes Dach wäre im höchsten Grade 
unschön gewesen; der Rundbau fordert nothwendig eine 
Wölbung. Dies zusammen war genügend, um die Griechen 
von dieser Form abzuhalten; indessen giebt es auch 
tiefer liegende Gründe, welche sie bewegen mochten, die 
Form des länglichen Vierecks ausschliesslich anzuwenden. 
Die grade Linie ist die natürliche der Architektur, weil 
sie dem Charakter geometrischer Regelmässigkeit am 
Meisten entspricht; da sie nach dem Gesetze der Schwere 
in der Höhenrichtung unerlasslich ist, kann sie, ohne 
Disharmonie, auch im Grundrisse nicht aufgegeben wer- 
den.  Ferner muss das Gebäude, um sich als ein Ganzes 
von innerem'Leben darzustellen, sich gliedern, in ver- 
schiedene Theile zerlegen. Die runde Gestalt giebt aber 
den Ausdruck einer gediegenen, unterschiedslosen Einheit; 
alles bezieht sich auf den einen Mittelpunkt, keine Ver- 
schiedenheit der Functionen, der Haltung einzelner Theile 
ist sichtbar. Sie spricht daher ein dürftiges, mechanisches 
Wesen aus, in welchem der Gegensatz, auf dem alles 
Leben beruht, sich nicht entwickelt hat. Die vierseitige 
Form dagegen giebt diesen Gegensatz deutlich und auf 
die einfachste Weise, in der Form der Zweiheit, die 
aber durch die symmetrische -Wiederkehr der Seiten und 
durch den Abschluss des Ganzen wiederum zur Einheit 
Die 
bei 
verbunden wird. 
allen Zeiten und 
vierseitige Form ist daher auch zu 
allen Völkern die vorherrschende 
gewesen, und eine Architektur, welche bloss auf runde 
Gebäude anwendbar wäre oder nur solche hervorbrächte, 
ist gradezu undenkbar.  
Daher ist denn auch die Zahl der römischen Randge- 
bäude gewiss niemals sehr gross gewesen. Ein Monopteros 
28'
        

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