Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884394
Details. 
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XVeise ungefähr ein Neuntel der Breite betrug, bis auf 
ein Sechstel, ja sogar ein Viertel stieg. Auch hier liegt 
theils eine etruskisehe Reminiscenz, theils das Bedürfniss 
des Derben und Schweren zum Grunde. Die meisten an- 
dern Aenderungen, welche die griechischen Formen unter 
den Römern erlitten, beruhten (larauß dass die ursprüng- 
liche Bedeutung der Glieder, die Zwecke der Construc- 
tion mit organischer Lebendigkeit darzustellen, vergessen 
war, und sie als blasser Schmuck und zwar zu einer 
sehr materiellen Darlegung des Reichthums dientem Daher 
kam es denn zunächst, dass man die Säulenbasis oft 
nicht mehr unmittelbar auf den Fundamenten oder auf 
einem gemeinsamen Unterbau stehen liess, sondern ihnen 
noch einenVWürfeI unterlegte. Eine noch wichtigere und 
häufiger vorkommende Abweichung von der griechischen 
Arehitektonik War es , dass man die Säulen auch da 
brauchte, wo sie nichts zu tragen hatten, als blossen 
YVandzierrath. Hiemit hing es denn zusammen, dass man 
über der Säule das Gebälk in allen seinen 'l'heilen vor- 
treten liess, so dass dieser Auswuchs des fortlaufenden 
Fricses eine Art Würfel darstellte, der von dem dreige-_ 
theilten koriilthischen Architrav und von dem vorragen- 
den Gesimse begränzt wurde; eine für die Construction 
ganz überflüssige Last, geschaffen , damit die Säule 
nicht allzu augenscheinlich müssig stehe. Diese Ver- 
kröpfungen (wie man sie nach der Aelmlichkeit des 
widernatürlich vertretenden Gebälks mit der ähnlichen 
Entstehung des menschlichen Körpers nennt) geben dem 
Gebäude etwas Schweres und Buntes, was dem römischen 
Geschmacke zusagen mochte; sie widersprechen aber 
den Grundsätzen einer gesunden Architektur und sind 
charakteristisch für den gröbern Sinn der Römer.
        

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