Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884216
Ihr 
Verhältniss 
ZUT 
Kunst. 
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des Volks, dasselbe Gefühl, welches von den ältesten 
Zeiten da gewesen war, welches sich anfangs in der 
unbefangenen Aufnahme erst der etruskischen, dann der 
griechischen Kunst, und später in dem Eifer der strengem 
Sittenrichter gegen solchen höhern Luxus und gegen die 
feinere Bildung der Rede schon längst deutlich ausge- 
sprochen hatte. Wirklich hatten diese Eiferer nicht ohne 
Grund gefürchtet; die Kunst stand in der That in einem 
Gegensatze gegen die römische Sitte, in einem Zusam- 
menhange mit ihrem Verfall. Dieser Staat und diese 
Sitte waren selbst ein Kunstwerk verständiger Berech- 
nung, nach einer ganz andern Regel construirt, als die der 
eigentlichen Kunst ist; diese setzt die freie Ausbildung 
des natürlichen Elements voraus, jene eine bedingte, in 
feste Gränzen eingeschlossene Entwickelung. Aber eben 
so wenig durfte Rom ganz der Kunst beraubt sein. S0, 
roh wollten selbst jene Eiferer Rom nicht haben, dass es 
der Kunst ganz enlbehre, es sollte sie nur nicht üben. 
Auch hier sollte es haben und nicht sein. Es bedurfte 
sogar des Gegensatzes gegen die feiner gebildeten Völ- 
ker desselben Stammes, ihre weichlichere Cllllllll" diente 
der römischen Kraft als Spiegel, vor dem sie sich übte. 
Später wurde dieser Zusammenhang des römischen Cha- 
rakters mit der Kunst noch deutlicher. Als bei weiterer 
Ausdehnung der Macht und bei grösserem Reiohthume die 
alte Strenge und Einfachheit der Sitte nicht mehr aus- 
reichte, als römische Feldherrn und Staatsmänner fremde, 
nach andern Principien gebildete Völker zu beherrschen 
hatten, und daher auf feinere Rücksichten sich einlassen 
mussten, da wurde die Härte jener egoistischen Moral 
anschaulicher. Die Natur trat gegen diesen conventionelleil 
Zwang in ihre Rechte ein, und es wurde Bedürfniss,
        

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