Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884204
4-12 
Römer. 
und Aberglaube gleich, nur zu billigen, wenn sie berge- 
bracht; der alte Glaube der Götter, zum Spou; zu ein- 
würdig, lässt ihn kalt; selbst dem dürftigsteil Wahne 
widerspricht er nicht, aber das Christenthum, das er 
näherer Kenntniss nicht würdigte, erscheint ihm wie die 
menschenfeindlichste Superstitioil. S0 geht er, wie in 
tiefer Dämmerung unter schwach beleuchteten Gestalten 
ohne Hoffnung des Lichts. 
Für die Ausbildung des Schönheitssiinles war die 
verständig-praktische Richtung der Römer offenbar nicht 
günstig. Aber dennoch ist ihr Verhältniss zur Kunst ein 
sehr wichtiges, sie nehmen auch in unserer Geschichte 
eine bedeutende Stelle ein. Während die Etrusker, ob- 
gleich auch ihnen die rechte Begeisterung und der Sinn 
für höhere Schönheit abging, dennoch die Kunst in den 
Kreis ihrer Bestrebungen zogen, waren die Römer sich 
von zAufang an des Mangels der Anlage bewusst; sie 
rühmen sich ihrer als einer Eigenschaft, mit welcher ihre 
Tugend, ihre Kraft zusammenhängt. Bekannt sind die 
schönen Verse Virgils, in denen er den Anchises weissa- 
gend den Charakter und die Schicksale des römischen 
Volks andeuten lässt. Da spricht denn der Stammvater 
der Quiriten es gradehin aus: Andre mögen den Marmor 
beleben, dem Weichen Erze Athem verleihen , Roms 
Künste sind die Völker beherrschen, die Stolzen bekrie- 
gen, der Schwachen schonen. In diesen Worten des 
kunstliebenden und kunstreichen Dichters auf dem Gipfel- 
punkte römischer Bildung liegt nicht etwa eine Bitterkeit, 
nicht die Resignation, mit der man eingesteht was nicht 
geläugnet werden kann, sondern das volle Selbstgefühl
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.