Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884174
u n d 
Volkscharaktcr 
Sitte. 
409 
nothwendig. Daher ist schon die römische Moral, bei 
aller ihrer Härte und Halbheit, für uns verständlicher und 
brauchbarer; sie ist nicht bloss auf ein ästhetisches Wohl- 
gefallen gerichtet, sie erkennt Rechte und Pflichten, 
fordert mithin eine Selbstprüfung, nicht bloss in jenem 
philosophischen Sinne des Sokrates, sondern in persön- 
licher Anwendung. Ihre Härten sind augenscheinlich, 
ihr Gutes ist der Nachahmung erreichbar. Durch den 
Rechtshegriif erhält die Heiligkeit und Selbstständigkeit 
der Familie ihre Begründung und in politischer Beziehung 
geht aus ihm die Vorstellung eines Staates im höhern 
Sinne des Wortes hervor, eines grossen Ganzen, in, 
welchem sich die einzelnen Kreise frei bewegen und ge- 
stalten. Der Begriff des Staates oder der Monarchie 
schwebte daher von Anfang an dem römischen Geiste 
vor, obgleich er sich im Kampfe mit den hergebrachten 
republikanischen Ansichten der alten Welt erst spät, und 
auch da noch sehr unbefriedigend entwickelte. Auf diesem 
Felde waren die Römer schöpferisch und wir erkennen 
bei ihnen eine Richtung, welche dem christlichen Geiste 
mehr zusagt, als die der frühem Völker. W eltgeschicht- 
lich, nach göttlicher Anordnung stand dies olfenbar im 
Zusammenhange mit der Entstehung des Christenthunis 
in und unter dem römischen Reiche. Wir werden später 
noch 
näher 
darauf zurückkommen. 
Ueberall aber, so oft wir es in der Geschichte beob- 
achten können, linden wir, dass die Tendenzen, welche 
über den Gedankenkreis des Zeitalters ihrer Entstehung 
hinausreichen, zunächst mehr nachtheilig wirken, indem 
sie mit dem Bestehenden sich nicht auf völlig harmonische 
Weise verschmelzen, und doch wieder durch dies Bc- 
stehende gehindert werden sich frei zu gestalten. Auch in
        

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