Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884130
Volkscharaktcr 
und 
Sitte. 
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Gefühls. Sie hindefte die härtesten Aeusserungen nicht, 
ja sie führte eigentlich nur dahin, den innern Zwiespalt 
noch gefährlicher zu machen, die Reinheit und Wahrheit 
des Gemüths noch unheilbarer zu zerstören "Ü. 
Bei Beiden, bei.den Römern wie bei den Griechen, 
knüpfte sich die sittliche Ansicht an den Begriff des 
Staats, aber in sehr verschiedener Weise. Dem Griechen 
war der Staat das Erste und Einzige, die Frucht und 
Krone des natürlichen Daseins vernünftiger Geschöpfe. 
Die Ausbildung des Einzelnen und des Ganzen war ihm 
eine und dieselbe Aufgabe; nur im Staate konnte der 
Mensch sein Ziel erreichen und nur durch die Freiheit 
der Bürger erlangte der Staat seine höchste Würde und 
Schönheit. Der Römer hatte ein tieferes Bewusstsein 
der Verschiedenheit der Interessen; die Geschichte seiner 
Republik drang es ihm auf. Sie schien fast nur vertrags- 
mässig, durch die Regulirung der Rechte verschiedener 
Stände ausgebildet zu sein. Von zwei Seiten musste 
man nachgeben, um zu einer Vermittelung zu gelangen, 
das Gesammtwohl musste die Rechte der Einzelnen und 
der verschiedenen Stände nicht 
aber in seiner Lebensweise , in 
verletzen, der Bürger 
der Entfaltung seines 
 In Ciceros Briefwechsel mit seinen nähern und entfernlern 
Freunden spricht sich ein wirklich edles und wohlwollendes Gerniith 
aus. Aber wie oft haben wir auch hier das Gefühl, dass er doch 
nur vor sich und Andern den Schein suche; in welchen Zwiespalt 
stürzen ihn die Riicksichten auf seine Moral und auf die äussern 
Verhältnisse! XVie hart ist der milde Mann zuweilen; seinen Hass, 
seinen KVunsch sich rächen zu können, spricht er ohne alle Scheu 
uns. Der Sache des Ponrpejnls, obgleich er auch sie für eine durchaus 
schlechte hält, folgt er, wegen der Dankbarkeit, die er ihm schuldig 
ist, wegen der hVohltlnaten, die jener ihm erzeigt, aus Consequeuz, 
weil er diese {Vohlthalen (die eigentlich so gross nicht sind) Sßllon 
anerkannt und geriilunt hat.
        

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