Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-884058
Vergleichende 
Schlussbetrachtung. 
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zeigt. Man kann dies zunächst als eine Folge des Man 
gels ansehen; die Gestalt, die in ihrer gesonderten Er- 
scheinung nicht so befriedigend schön war, musste sich 
mit andern zu einem Bilde, zu dem Bilde unter dem 
Augenpunkte des Einzelnen, zusammenordnen. Aber es 
liegt dennoch eine tiefere Bedeutung darin. So wie die 
Rücksicht auf das innerliche Leben, die Sorge um Gut 
und Böse, um das Heil der Seele eintritt, sucht man 
ilatürlich das Auge, es stellt sich die Neigung ein, die 
Gestalten in der Vorderansicht zu sehen. Der Hcros oder 
Mensch, auf welchen diese Sorge gerichtet ist, wird 
dadurch der Mittelpunkt der Betrachtung; er gehört nicht 
mehr in die gleichmässige Reihe mehrerer Gestalten, 
sondern die andern müssen sich um ihn gruppiren. Wir 
sehen darin auf eine merkwürdige Weise, mit welcher 
Sicherheit auch bei weniger entschiedener Anlage zur 
Kunst die geistige Richtung sich eine neue Form erschafft. 
In der Architektur tritt diese Eigenthümlichkeit auf viel 
ungünstigere Weise hervor; hier zeigt sie sich nur als 
die Auflösung der schönen organischen Einheit des 
griechischen Baues, als das Getrennte, Spröde, Unzu- 
sammenhängendc. Aber eben dadurch entspricht beides 
vereint dem Standpunkte des etruskischen Volks, das 
jene äusserliche Weltansicht der alten Zeit noch nicht 
verlassen hatte, aber damit schon, wenn auch zum Nach- 
theil der völligen Einheit, eine tiefere Rücksicht auf das 
Innerliche verband. 
Auch mit den Persern findet sich endlich eine nicht 
unwesentliche Aehnlichkeit; vielleicht schon in der Art 
des Priesterregiments , gewiss in der religiösen Richtung. 
Wie bei jenen sich das Reich des Ormuzd, des Lichtes, 
von dem der Finsterniss, des Ahriman, scharf sonderte,
        

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