Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883866
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Etrus kisclxe 
Architektur. 
derselben erkannt zu haben   Ein Beweis, dass sie 
zu Bauten höhern Styls sich der Wölbung nicht bedien- 
ten, liefert die Struetur ihres Tempelsw). Zwar ist 
kein solcher erhalten, wohl aber gewährt uns die, diesmal 
ziemlich genaue und verständliche Beschreibung Vitruvs 
eine im Wesentlichen ausreichende Anschauung. Die 
Form ihrer Tempel war der griechischen insofern ähnlich, 
dass sie auch eine Cella, eine offene Säulenhalle und das 
Giebeldach hatten. Dennoch war der ästhetische Charak- 
ter ein ganz anderer. Schon die Anordnung des Grund- 
risses Wich sehr ab, während der griechische 'l'empel 
ungefähr halb so breit als lang war und also ein läng- 
liches Viereck bildete, näherte sich der etruskisehe dem 
Quadrat, die Breite war nur um ein Sechstel kleiner als 
die Tiefe. Diese Tiefe "war dann in zwei gleiche Theile 
getheilt, von denen der vordere (anticum) die nur auf 
4') Zwei Thore in Perugia, das eine ganz, das andere theilweise 
erhalten, beide anscheinend noch aus etruskischer Zeit, haben ge- 
wölbte Bogen, aber in Verbindung mit Formen der griechischen 
Architektur, die ihnen nicht entsprechen. 
M) Vielleicht mag dies Nebeneinanderbesteheil der Wölbung und 
einer auf anderm Princip beruhenden Tempelstructilr einen historischer: 
Grund haben. Die Zeit der Erfindung des Gewölbes mag eine spä- 
tere gewesen sein, in welcher die Form des Tempels schon völlig 
ausgebildet war und aus religiösen Rücksichteil nicht verändert wer- 
den durfte. Zwar ist die Beschreibung Vitruvs, aus welcher wir 
die Tempelform kennen lernen, jünger wie die Monumente von Vol- 
terra und Rom, welche die Bekanntschaft der etruskischen Meister 
mit der Kunst des Wölbens beweisen; und Vitruv beschreibt. den 
toscaizischen Tempel keinesweges als eine verschwundene, bloss 
historische Forml Indessen darf man daraus nicht schliessen, dass 
die Entstehung dieser Form nicht schon aus ältester Zeit datire. Bei 
unserer geringen Kenntniss des etrnskischen Alterthums kann man 
darüber nur Vermuthungeii aussprechen, welche überdies, wenn sie 
erwiesen wären, auf die Darstellung, wie sie im Texte gegeben ist, 
keinen Einlluss haben würden.
        

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