Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883786
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Etrusker. 
und ähnlichen Gestalten, bestimmter hervor. Bei den 
italischen Gottheiten dagegen erscheint diese Beziehung 
als das Wesentliche. Sie hatten keine Geschichte, kaum 
dachte man sie sich bestimmten Geschlechts, man nannte 
sie bald männlich bald weiblich; sie wurden nicht als 
vollendete Personen um ihrer Persönlichkeit willen, son- 
dem als herrschende Mächte um ihrer Wirkung willen 
verehrt. Grossentheils sind sie bloss Personiiicationen 
nützlicher Naturkräfte oder moralischer Eigenschaften; 
das vollständige System der etruskischen Götterlehre 
verbarg vielleicht eine durchgeführte, theoretische Auf'- 
fassung der Natur m). Auch der griechische Olymp war 
nicht durch ein festes äusseres Gesetz geschlossen, aber 
er bildete doch einen schönen, vollendeten Kreis von 
Idcalgcstalten; in Italien fand jeder allegorische Begriff 
leicht seine Vergötterung. Aus dieser religiösen Richtung 
erklärt sich denn auch die Neigung der italischen Völker 
fremden Cultus aufzunehmen, welche wir in allen Jahr- 
hunderten der römischen Geschichte erkennen, so wie 
jenes Anschliessen der Etrusker an die griechischen 
Mythen. Das Bedürfniss geschichtlich ausgebildeter He- 
roengestalten machte sie dazu geneigt. 
Dagegen stand hier die Religion in viel näherer Ver- 
bindung mit dem Leben der Einzelnen. Bei den Griechen 
 K. O.1V[iiller a. a. O. II. 108. Daher spricht denn Creuzer, 
Symbolik II. 993, von dem Vorherrschen des mystischen Elements in 
dem Glauben der Etrusker, welches hier nicht wie in Griechenland, 
dem poetischen unterlag. Indessen war üiese Mystik allem Anscheine 
nach nur eine verständige, trockene und willkürliche Auffassung, 
welcher man mit Unrecht einen Vorzug vor jener Poesie einräumen 
würde. Häufig gilt es auch, was K. O. Müller a. a. O. S. 358 
bemerkt, dass unsre Archäologen grade da, wo üppigerliebensgemzss 
und schwelgerische Sinnlichkeit am Deutlichsten hervortreten, Myste- 
rien erblicken.
        

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