Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883657
Mängel 
der 
griech. Kunstrichtung. 
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schaft, dahin ferner die Darstellung des Menschen in 
seiner irdischen Umgebung, in seiner Verwandtschaft mit 
der lebenden Natur; ihre Auffassung war immer eine 
ideale, sie isolirten den Menschen, machten ihn götter- 
gleich. Deshalb hatten sie auch für den geheimen Zauber 
der Lichtwirkungen keinen Sinn; ihre Kunst war vor- 
herrschend plastisch, auch in der Malerei. Daher behielt 
ihre Architektur beständig den Charakter der Aeusser- 
lichkeit; der heitere, plastische Säulenschmuck, der nur 
im Aeussern seine volle Bedeutung hat, blieb stets das 
Ziel ihrer Leistungen. Eine Architektur des Innern, die 
nur in der Perspective und in freien Wechselwirkungen 
ihre Schönheit hat, kam nicht auf. Auch in der Poesie 
ist dieser plastische Charakter unverkennbar. Ihre Tragö- 
die, so bewunderswürdig sie ist, giebt nur die Conflicte 
der Weltgesetze, nicht die tiefem Conllicte des Gemüths 
mit den Verhältnissen. Sie lässt die Handlung nicht vor 
den Augen des Zuschauers entstehen, sondern setzt sie 
voraus und entwickelt nur ihre Folgen und Wirkungen, 
gleichsam in einer Gruppe der Gestalten. Sie giebt daher 
ihrem Inhalte nach nicht ein Bild des Weltganzen, ihrer 
Form nach nicht eine dramatische Entwickelung im voll- 
sten Sinne des Worts. Die grösseste Bedeutung dieser 
Gattung war, dass sie in plastischer und hörbarer Dar- 
stellung alle künstlerischen Elemente vereinte und so eine 
harmonische Gesammtwirkimg im höchsten Style hervor- 
brachte. Nicht minder fehlte ihrer Musik die tiefe In- 
nerlichkeit und die reiche Entfaltung, welche diese Kunst 
in christlicher Zeit erlangt hat; darüber sind alle Forscher 
dieses schwierigen Theils der Geschichte einverstanden. 
Aber alle diese Mängel sind eigentlich nur für die 
Betrachtung der griechischen Kunst im Ganzen, für ihre
        

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