Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883566
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Griechische 
Kunst. 
den Bürger an seine Stadt fesselten, lockerer wurden, 
als Eigennutz und Leichtsinn dreist her-vertraten, als der 
Bruderzwist der Hellenen begann. Es Scheint dem Zu 
sammenhange der Kunst und der Sittlichkeit, den wir 
früher zu bemerken glaubten, völlig zu widersprechen, 
dass jene erst da ihren Gipfel erreicht, als diese bereits 
zu sinken beginnt. Dennoch ist dieser Widerspruch nicht 
da. Zum Theil mag es im Wesen der bildenden Kunst 
liegen, dass sie der Entwickelung der Sitte nachfolgt; 
die harte Arbeit in dem spröden Stoffe hält nicht gleichen 
Schritt mit der leichtem, rein geistigen Entfaltung; sie 
steht in einer Beziehung zur Wirklichkeit, welche sie 
von der Anschauung des bereits Erschienenen abhängig 
macht. Aber dies abgerechnet, War der Entwickelungs- 
gang der Sitte bei den Griechen kein anderer, als der der 
Kunst. Auch ihre Sitte weilte lange aüf vorbereitenden 
Stufen, betrat dann plötzlich das innerste Heiligthum, um 
ebensoschnell es wieder zu verlassen. Jene edle Strenge 
der lykurgischen Zeit, jene anfopfernde Pietät, die wir 
noch in den Perserkriegen bewundern, hängt dennoch 
mit einer Härte zusammen, Welche die höchsten sittlichen 
Regungen nicht aufkommen liess. Die Vaterlandsliebe, 
in dieengen Gränzen einer Stadt eingeschlossen, in 
dieser heroisch schroffen Gestalt, steht allzusehr mit- den 
Anforderungen allgemeiner Menschenliebe, mit der Ent- 
wickelung zarterer Empfindungen und höherer geistiger 
Erhebung im Widerspruche; sie ist doch nur ein erwei- 
terter Egoismus. Daher auch bei diesen frühern Griechen 
die Sclaverei, daher so manche Grausamkeiten, daher 
die Neigung zu verderblicher List. Diese strengen dori- 
sehen Gestalten sind also wohl bewundernswürdige Vor- 
bilder für gewisse Eigenschaften der menschlichen Natur,
        

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