Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883559
Gleiche 
Entwickelung 
Kunst 
Sitte. 
347 
ters an , 
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der 
sich 
in 
dem 
grossen 
Weltreiche 
ausbil- 
Bevor wir sie in dieser Gestalt betrachten, wollen 
wir noch einen Blick auf ihre Entwickelung auf heimi- 
schem Boden werfen. Höchst merkwürdig ist der Verlauf 
dieser Entwickelung. So herrlich die Kunst des Praxi- 
teles und Lysippos, so bedeutend selbst noch die der 
alcxandrinischen Epoche ist, so stehen sie doch in wahrer 
Schönheit und in griechischer Eigenthümlichlaeit der kur- 
zen perikleischen Epoche nach. Der ganze Gang der 
Entwickelung gleicht einem Berge, der langsam in weiter 
Dehnung sich erhebt, dann plötzlich steil zu seinem 
Gipfel aufsteigt und ebenso schroff wiederum sich senkt. 
Freilich, wenn wir unser Gleichniss durchführen wollen, 
sich anfangs nur mässig senkt, dann lange in gleicher 
Hochebene fortläuft und erst später allmälig tiefer und 
tiefer abfällt. Vom trojanischen Kriege an, der doch den 
Sänger schon begeistern konnte und uns daher schon 
das Leben jenes plastischen Geistes erkennen lässt, bis 
zu Perikles und Phidias gehen sieben Jahrhunderte hin. 
So lange brauchte es, um diesen Geist zu seiner völligen 
körperlichen Reife zu bringen , die dann so kurz nur 
währte; es kann wie ein auffallendes Missverhältniss in 
der Oekonomie der Geschichte erscheinen, dass so lange 
Vorbereitetes so kurzen Bestand hatte. 
Noch merkwürdiger wird diese Erscheinung, wenn 
wir sie "nicht vereinzelt, sondern im Zusarnmenhange mit 
der sittlichen Entwickelung der Griechen betrachten. In 
der Zeit, in welcher die Sitte am Reinsten, die Vater- 
landsliebc am Wirksainsten war, trug die Kunst noch 
starre, uncntwickelte Züge. Sie erlangte ihre höchste, 
edelste Bliithe erst dann, als schon die Bande, welche
        

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