Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883480
340 
Vierte 
Periode 
der 
griech. 
Kunst. 
Aber Während 
sonst 
der 
ideale 
Charakter 
leicht 
eine der 
Natur nicht angemessene Einförmigkeit hervorbringt, ist 
hier zugleich das volle sinnliche Leben, die natürlichste 
Behandlung des Fleisches; Ideales und Wirkliches sind 
verschmolzen Wie in keinem andern Werke ausser den 
Sculpturen des Parthenon. Doch können wir vielleicht 
in feinen Zügen an diesem Hercules ein gewisses Be- 
wusstsein der Kunst bemerken, das der Einfachheit des 
hohen Styls nicht ganz entspricht, so dass wir wohl mit 
Recht auf eine spätere Zeit schliessen. Dazu kommt 
eine Eigenthümlichkeit der Inschrift  welche man sonst 
sogar erst in römischer Zeit bemerkt hat, ein Grund, 
dessen Zuverlässigkeit indessen nicht unbestritten ist. 
Auch hier mögen wir daher eine Nachbildung, aber eine 
höchst ausgezeichnete und geniale, eines ältern Werks 
annehmen; denn gewiss bestand der grössere Theil der 
Leistungen dieser Zeit in Nachahmungen früherer Werke 
und die meisten griechischen Statuen in unsern Museen 
werden unzweifelhaft erst jetzt gefertigt sein. Wie 
geistvoll und mit wie grossem Geschick diese Nach- 
ahmungen gemacht wurden , mag der schon erwähnte 
farnesische Hereules, welchen Glykon dem Lysippus nach- 
bildete, mag ferner die mediceische Venus, ein Werk 
des Kleomenes, Sohn des Apollodorus, aus Athen bewei- 
sen, in welcher wahrscheinlich das Motiv der Knidischen 
Venus des Praxiteles, aber mit so grosser Freiheit und 
Lebendigkeit bearbeitet ist, dass sie den vollen YVerth 
eines ausgezeichneten Originals hat, und dass ihr viel- 
Ü Die Inschrift, übrigens in Uncialbuchstalien, enthält das Omega 
in Cursivschrift, eine Vermischung die man in iiltern Steinschriften 
nicht gefunden hat. Thiersch Epochen S. 332. vindicirt den Torsq 
daher sogar der römischen Zeit, eine Annahme, die indessen schwer- 
lieh begründet. ist.
        

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