Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883426
334- 
Vierte Periode 
der 
griecll. 
Kunst. 
Thieres anbinden. Sowohl in der Anordnung als in geisti- 
ger Wirkung steht diese, der Masse nach bedeutend 
grössere Gruppe hinter dem Laokoon weit zurück; es 
fehlt ihr sowohl an einer architektonischen Einheit als 
an einem geistigen Mittelpunkte des Interesses. Die Ge, 
stalten haben in der Heftigkeit ihrer Bewegungen etwas 
'I'heatralisches, die Linien durchschneiden sich unruhig; 
das Ganze ist nicht viel mehr als ein sinnlich imposanter 
Schmuck eines öffentlichen Platzes.  
Ein anderes berühmtes und vielbesprochenes Werk, 
welches ich dieser Zeit zuschreiben möchte, ist der s. g. 
Apoll vom Belvedere im Vatican. Zwar ist seine 
Entstehungszeit ebensowenig wie der Künstler, von dem 
er herrührt bekannt, und manche Gründe sprechen dafür, 
dass Wenigstens diese Statue erst in der Kaiserzeit und 
in Italien gearbeitet sei. Gewiss wäre dieses, wenn, 
wie einige Sachkundige behauptet haben, der Marmor 
nicht griechischer, sondern carrariseher wäre; indessen 
wird dies von andern bestritten oder bezweifelt  Der 
Fundort Capo d'Anzo, das alte Antium, war ein Lustort 
der ersten Cäsarerl, Caligulais und Nero's Geburtsort, und 
daher erst in dieser Zeit besonders begünstigt. Allein 
bekanntlich war ja Italien reich genug an griechischen 
Werken, und es war nicht wohl denkbar, dass alles, 
was in einem Palaste aufgestellt werden sollte, erst für 
denselben gefertigt wurde w). Wäre aber auch dies 
ü) vSo viel ist gewiss, dass er nicht zu der gewöhnlichen Art 
des carrarischen Marmors gehörte Gerhard in der Beschreibung 
der Stadt Rom. Th. II. S. 158. 
H) Die Folgerung aus dem Fundorte auf die Zeit ist eine all- 
zugcwagte. Der Farnesische Hercules, der Torso des Belvedere, die 
berühmte Flora, der Farnesische Stier sind in den Thermen des Cara- 
calla gefunden. Wer möchte sie aber für Arbeiten aus der Zeit 
dieses Kaisers halten?
        

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