Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883402
332 
Vierte 
Periode 
der 
griech. 
Kunst. 
und wir haben ja gesehen, wie in einer frühem Periode 
sich dies Bestreben sogar oft auf eine gewaltsame, un- 
harmonische Weise äusserte. Von diesem Uebermaassc 
hielt sich die schönste Zeit der griechischen Kunst frei, 
aber ihre Ruhe war nur die Erhebung über jene leiden- 
schaftliche Weise; das Belebende, Kräftige in jener blieb 
erhalten, es erschien nur gemässigt und geläutert. Der 
Ausdruck einer sinnlichen, leidenschaftlichen Kraft ist 
daher auch in den meisten Götterbildern zu erkennen, 
aber die Aeusserung wurde vermieden; in diesem Sinne 
war schon der Charakter der Gestalten gebildet, in die- 
sem Sinne wurde der Moment behandelt. Bei Darstellun- 
gen der Leidenschaft und des Schmerzes kam es daher 
darauf an, diese Ruhe in der Bewegung zu erhalten. 
Das was in der Wirklichkeit sich gewaltsam, unharmo- 
nisch äussert, wurde hier in ein edles, rhythmisches Maass 
gebracht. Daher wurde denn auch der Moment oder doch 
die Anordnung so gewähltydass das, was nur in sinnlich 
gewaltsamster Weise sich" äussern konnte, vermieden, 
aber die tiefste geistige Bewegung beibehalten wurde. 
Wir haben schon bei der allgemeinen Betrachtung des 
griechischen Kunstsinnes gesehen , wie dies auch mit 
sittlichen Ansichten zusammenhing. Das Ethos sollte 
mit dem Pathos verbunden werden, die Ruhe des Cha- 
rakters auch in der Leidenschaft bewahrt bleiben. Daher 
fordern die Philosophen, besonders Aristoteles, bei der 
Kunst eine Katharsis, eine reinigende Wirkung für das 
Gemüth , sie soll die Gemüthsbeuregungen edel darstellen, 
damit sie die Lust daran in der Seele bilde, sie soll der 
Leidenschaft ihr ideales Abbild entgegenhalten, um sie 
zu heilen und zu reinigen. Man hat in neuerer Zeit be- 
kanntlieh so viel von dem Styl, als einem Erfßrderniss
        

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