Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883370
Die 
Gruppe 
des 
Laokoonn. 
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tiefe und dabei so edle und rührende Ausdruck des 
Schmerzes verdienen die höchste Bewunderung. Man hat 
die Gruppe mit Recht eine Tragödie in drei Akten ge- 
nannt, im Vater der mittelste, in welchem Energie und 
Pathos am höchsten. Man sieht die Muskeln des kräf- 
tigen Körpers durch den Schmerz gespannt und aufge- 
schwellt, die Brust durch den beklemmten Athem gehoben, 
den Unterleib eingezogen durch den Seufzer, welchen der 
klagende Mund ausstösst. In diesem höchsten Körper- 
schmerze aber hält ihn der Geist noch aufrecht, er mässigt 
den Ausbruch der Klage, im Hinblick auf die Pein der 
Kinder empfindet er das eigene Leiden weniger. Er klagt, 
aber er schreit llißllt, sein Antlitz hat einen leisen Zug 
des Unmuths, des Vorwurfs über die unverdiente Strafe, 
in den Falten der Stirn sieht man, wie noch die Kraft 
der Seele mit dem körperlichen Schmerze ringt. Es ist 
in jeder Beziehung ein tiefes, edles Kunstwerk. 
Bei alledem ist doch nicht zu läugnen, dass diese 
Darstellung des Leidens weiter geht, als es die ruhige 
Würde des Phidias und selbst der reine Geschmack der 
Schule des Skopas und Praxiteles geduldet haben würde. 
Sie ist nicht frei von einem Streben nach Effect, man 
möchte sagen von einem theatralischen Charakter; man 
findet schon eine fast absichtliche Entwickelung psycho-n 
logischer und anatomischer Kenntnisse. Die Gruppe der 
Niobe hat einen höchst verwandten Gegenstand, auch 
da das Leiden durch eine Strafe der Götter, der eigene 
Schmerz mit dem Mitgefühl der Kinder; wie ganz anders, 
wie viel würdiger ist er aber da gefasst, und dennoch 
wie viel ergreifender! 
Wir bemerken in der griechischen Tragödie, dass 
die blutige Katastrophe, der Moment des Mordens, nie
        

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