Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883349
326 
Vierte 
Periode 
der 
griech. 
Kunst. 
zusammengesetzte Stoff zu erwägen, wodurch der Ver- 
gleich mit dem Leben ausgeschlossen wurde und das 
Kolossale als ein Ausdruck des Uebernatürlichen, als die 
angemessene Erscheinung göttlicher Hoheit, sich dar- 
stellte. Hier aber, wo das Bild stehend, dem Styl der 
Zeit gemäss in den bewegten Formen des individuellen 
Lebens ausgeführt war, musste diese gewaltige Ausdeh- 
nung eine entgegengesetzte Wirkung hervorbringen, sie 
musste die Formen leer und bedeutungslos machen, und 
erschien als eine hohle Anmassung. Nur 54 Jahre stand 
dieser Koloss, ein Erdbeben warf ihn, wie zur Rüge des 
menschlichen Hochmuths, zu Boden. 
Von da an scheint sich in Rhodus eine eigene Schule 
gebildet zu haben, welche die Plastik mit einer neuen 
Art der Darstellungsweise bereicherte , indem sie die 
Gruppen erfand. Früher hatte man wohl in den Gie- 
belfeldern und sonst freistehende Statuen zur Darstellung 
einer Handlung zusammengestellt, aber immer so, dass 
jede einzeln für sich, von den andern gesondert blieb; 
jetzt erst begann man Momente eines leidenschaftlichen 
Handelns durch mehrere, auch äusserlich verbundene, un- 
ter einander verschlungene Gestalten darzustellen. Eine 
Aufgabe, die eigentlich dem Gebiete der Malerei ange- 
hört und daher manches den höhern Gesetzen der Plastik 
entgegemvirkendes mit sich bringt, die aber auch ausser 
dem Werthe der Ueberwindung grosser technischer 
Schwierigkeiten, mancherlei feine Wechselwirkungen so- 
wohl in Beziehung auf geistigen Ausdruck als auf die 
Erscheinungen der Formen und des Lichtes gewährt, 
und also wohl eine Erweiterung des Kunstgebiets genannt 
werden darfl 
Das Vorzüglichste, was 
in dieser Weise kennen, 
wir
        

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