Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880266
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Griechische 
Architektur. 
lichkeit gewiss die Aufgabe der griechischen Architektur, 
wie je der andern Kunst. Die statische Bedeutung jedes 
Gliedes, seine Beziehung auf die Construction musste 
aus der Bildung jedes Theiles klar hervorgehen. Allein 
diese einfache Durchführung des Zweckmässigen genügt 
hier nicht; sie sichert zwar gegen grobe Verletzungen 
des feinern Geschmacks und bringt von selbst eine, 
wenn ich so sagen darf, krystallinische Regelmässigkeit 
des Ganzen hervor, aus der sich Symmetrie und ange- 
messene Grundverhältnisse ergeben, aber sie führt noch 
nicht zu höherer Anmuth und Schönheit. Diese entsteht 
erst durch die sinnvolle Behandlung aller einzelnen Theile. 
Das Geheimniss nun, welches den Griechen hier die 
Meisterschaft gab, scheint darin zu liegen, dass sie, 
indem sie jedem Theile eine solche Gestalt gaben, welche 
seine Bestimmung für die Festigkeit und Zweckmässig- 
keit nöthig machte, ihn nicht als todte Masse behandel- 
ten, sondern ihm Empfindung und Leben verliehen. Dies 
aber nicht dadurch, dass sie ihm menschliche oder ähn- 
liche aus andern Gebieten entlehnte Formen liehen, son- 
dern aus seiner eigenen Bestimmung heraus, so dass er 
seinem Berufe nur gleichsam bereitwillig entgegen kam 
und den Zweck mit Sicherheit und Leichtigkeit ausführte, 
wie ein gewandter und eingeübter Diener, welcher das 
Ueberflüssige meidet und das kürzeste Mittel wählt, 
aber doch auch in der Ruhe und Stärke seiner Haltung 
anzeigt, dass ihm für unvorhergesehene Fälle Kraft und 
Handgriffe zu Gebote stehen. Wie dann ein solcher in 
der Freiheit seiner Bewegungen nicht bloss von dem 
ungeschickten und. rohen Lohnarbeiter sich vortlleilhaft 
unterscheidet, sondern auch ungeachtet des praktischen 
Zweckes einen befriedigendern und schünern Anblick
        

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