Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883097
LYSippos. 
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dem Werke einen Gedanken unterlegte, der (es so viel 
wie möglich zugänglich machte. Ohne die künstlerischen 
Vorzüge des trefflich gearbeiteten Werkes zu verkennen, 
dürfen wir doch gestehen, dass in dem kleinen Verhält? 
nisse des Kopfes und in der übermässigen Muskulatur 
etwas Gekünsteltes liegt, das sich weit von der gross- 
artigen Einfachheit der ii-ühern Kunst entfernt. Es macht 
sich schon eine Manier, eine, wenn man es so nennen 
darf, renommistische Kraft geltend. Dass diese Auffas- 
sung, in der Lysippus vor-herrschte, die gemeinsame seiner 
Zeit gewesen, können wir schon (laraus schliessen, dass 
auch von Euphranor berichtet wird, er habe die Körper 
schlanker gemacht, und wir verstehen dann auch, was 
wir darunter zu denken haben, wenn von diesem Euphra- 
nor ferner gesagt wird, dass er zuerst die VVürde der 
Heroen auszudrücken gewusst habe. Die Phantasie war 
jetzt mehr mit dem Menschlichen als mit dem Göttlichen 
beschäftigt. Die Heeresmassen, die weiten Länderstrecken, 
von denen es sich in den Zügen des lebenden Heros 
handelte , führten auf eine sinnlichere Auffassung der 
Grösse. Während man auf Gegenwärtiges, auf die Por- 
trätwahrheit lebender Gestalten gerichtet war, überstiegen 
zugleich die Heldenthaten deslköniglichen Jiinglings das 
Maass der kühnsten Erwartung. Wie er sich selbst den 
Sohn des Gottes glaubte, genügte auch der Kunst das 
menschliche Maass nicht mehr, sie musste sich über die 
Natur hinaus steigern, bei aller Porträtwahrheit ihr Ge- 
walt anthun. Es war nicht mehr, wie in der Kunst des 
Phidias, das göttlich Erhabene, das sich mit menschlichen 
Formen bekleidete, sondern das Menschliche, das sich 
zu überirdischer Grösse auszudehnen strebte. Der Poesie 
des Genusses, welche den Praxiteles begeisterte, war
        

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