Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883023
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Dritte 
Periode 
der 
griech. 
Kunst. 
schönsten in der eapitolinisehen findet, gewiss nähere 
oder entferntere Nachahmungen seiner Auffassung. Hier 
ist denn freilich der grossartige Ernst, jene Majestät, 
welche der Religion eine Erweiterung gegeben , vor- 
schwunden , aber der Geist, griechischer Anmuth und 
Feinheit, das zarte Gefühl des Sittliclieil im Schönen, 
hält doch die Kunst von allem Verletzenden fern, und 
verleiht auch dem Leichtern und Zierlichen einen Adel 
und eine Hoheit, welche Begeisterung erwecken und 
mittheilen. 
Zu den sichern Denkmälern aus der Zeit des Praxi- 
teles gehört auch jener Fries am choragischen Monu. 
mente des Lysikrates zu Athen, eine Darstellung des 
Bacchus und der Satyr-n seines Gefolges, welche tyrrhe- 
nische Seeräuber besiegen. Der Gott, leicht hingegossen 
auf einem Felsstück sitzend, tränkt seinen Löwen in 
aller Ruhe, während weiterhin seine Begleiter in freien 
Gruppen mit den rohen Feinden kämpfen, oder besser 
sie züchtigen, denn überall sind sie die Unterliegenden. 
Bewundernswürdig ist die geistreiche Mannigfaltigkeit 
der Gruppen, die naive Freiheit der Bewegungen, die 
feine Abstufung zwischen den halbthierisehen aber doch 
göttlicher Nähe nicht unwürdigen Satyrn, und den rohen 
entarteten Räubern. Das ganze leichte Gebilde kann uns 
eine Anschauung von dem derben Scherze einer attischen 
Komödie, wenigstens von ihrem Geiste, geben. 
Dass Praxiteles sich übrigens vor ernsten und heroi- 
schen Aufgaben nicht scheute, wenn gleich Zeitgenossen 
und Spätere iln1'1nelu' um jener leichter-n Stoffe wegen 
rülnnten, geht daraus hervor, dass er für das Giebel- 
feld eines Tempels in Theben die 'l'haten des lelerakles 
darstellte.
        

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