Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-883004
292 
Dritte 
der 
Periode 
griech. 
Kunst. 
das Mausoleum, von dem schon oben gesprochen ist, 
schmückten. Ob eine Schulverbindung zwischen beiden 
bestanden, ist ungewiss; während Skopas noch vielfach 
mit der grossartig einfachen Auffassung der Vorzeit zur 
sammenhing , aber doch schon in das Weichere und 
Pathetische überging, gab Praxiteles entschieden den Ton 
freier, anmuthiger Natürlichkeit an, der von nun an llüfl" 
schcnd wurde. "Auch er war der Schöpfer mehrerer 
Götterideale; Phidias hatte den Typus der ernsten und 
hohen Götter, des Zeus und der Athene, vollendet, von 
ihm gingen die Vorbilder der jugendlich heitern Gestal- 
ten aus, des Eros (den er für Paros und Thespiä arbeitete), 
des Epheubekränzten, sehwärmerisch blickenden Bacchus. 
Er war der erste, welcher es wagte, die Aphrodite, 
die früher nur bekleidet (largestcllt war, ganz zu enthül- 
len. Freilich konnte es nur so gelingen, die Liebesgöttin 
im heitersten Lichte zu zeigen und den höchsten sinn- 
lichen Reiz "künstlerisch zu adeln. Das weite Gebiet der 
jungfräulichen Anmuth, des Scherzes und der Schalkhaftig- 
keit wurde nun dem Blick geöffnet; das schmeichlerische 
Lächeln, die reizende Verschämtheit, die jugendliche 
Unscl1uld,-die kindliche Naivetät, dann auch die Derbheit 
einer faunischen Natur, die weiche Hingebung, die üppige 
Fülle, die süsse bacchische Schwärmerei, das alles waren 
Aufgaben, welche die frühere Kunst sich nicht gestellt 
hatte. Aber freilich war damit der Anfang einer Rich- 
tung gegeben, welche von dem göttlichen Ernst und der 
Erhabenheit des altgriechischen Sinnes weit abführen 
musste. Unter seinen Bildsäulen der Venus wird auch 
eine bekleidete erwähnt, welche die Bewohner der Insel 
Koos der nackten Venus, die nachher nach Knidos kam, 
verzogen, weil sie dies für sittlicher hielten. Man sieht,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.