Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-882873
Bildwerke 
des 
hohen 
Styls. 
279 
Ein sehr bedeutendes Werk dieser Zeit ist der Fries 
vom Tempel des Apollo bei Phigalia, welcher, wie 
wir oben sahen, obgleich in Arkadien und also im Pelo- 
ponnes, doch unter der Leitung des Iktinos, des Bau- 
meisters des Parthenon errichtet wurde. Wir können 
daher auch wohl bei den Bildwerken dieses Tempels eine 
Einwirkung der Schule von _Athen annehmen; gewiss 
sind sie dessen durch ihre Schönheit würdig. Sie stellen 
Kämpfe zwischen Centauren und Lapithen und zwischen 
Amazonen und Griechen dar, und unterscheiden sich von 
den Sculpturen des Parthenon und von dem, im Gegen- 
stande und Umfange ähnlichen Friese am Theseustempel 
durch eine viel bewegtere, leidenschaftlichere Auffassung. 
Indem sie dadurch jenen an einfacher, klarer Schönheit 
nachstehen, haben sie wieder den Vorzug einer reichern 
Phantasie und der kühnern Darstellung eines bewegten 
Moments. Der Kampf wogt in den mannigfaltigsteii Grup- 
pen des Unterliegens und der Gegenwehr; die Doppel- 
natur der Centauren giebt Gelegenheit zu doppelter Be- 
wegung, wie denn einer von ihnen, indem er vorn mit 
einem Gegner handgemein ist, mit den Ilinterhufen nach 
einem andern aussehlägt. 
Vielleicht noch schöner ist der Amazonenkampf, in 
welchcln das Element der Anmuth noch in der Aufregung 
des Kampfes und im Schmerze des Todes waltet. Die Be- 
handlung der Gewänder ist eine etwas gewaltsame; bald 
(XXXVI.  es ungewiss lässt, ob_Phidias_in Marmor gearbeitet, 
so muss man annehmen, dass auch dieser Koloss von Erz gewesen sei. 
Bei der sorgfältigen Aufzählung der in Rom belindlichen Werke des 
Praxiteies (XXXIV. 19. 10. und XXXVI. 4. 5.) wird des andern 
Kolosses nicht erwähnt; wahrscheinlich war daher der Meister des- 
selben unbekannt und man fügte später willkürlich den Namen des 
ändern grosscn Künstlers hinzu.
        

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