Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-882823
274 
Dritte 
Periode 
der 
griech. 
Kunst. 
mehr vor; das Haar Fällt frei , ohne ängstliche, mathe- 
matische Ordnung, wenn auch noch mit alterthünnlichen- 
Einfachheit. An ein absichtliches Vernleiden der Einzel- 
heiten in der Körperbildung ist so wenig zu denken, dass 
sogar die Adern und Falten der Haut sichtbar sind, und 
dass die Verschiedenheit der weichem, fleischigen 'l'heiie 
vbn den harten sich so Wunderbar ausspricht, dass unsre 
heutigen Künstler, die in solcher Nachbildung der Natur 
so sehr bewandert sind, kaum damit wetteifern können. VWo 
Knochen und Sehnen unter der Haut eintreten, sind diese 
mit der grössten Schärfe angegeben, Wo dagegen die 
grössemMuskeln verwalten, sind sie zwar straff und 
flächenartig gehalten, zugleich aber völlig weich und 
elastisch gebildet. Aber dabei ist diese Natur-Wahrheit 
von einer Strenge der Linien und von einer edeln Ein- 
fachheit so sehr beherrscht, dass sie immer dem geistigen 
Zwecke des Kunstwerks untergeordnet bleibt, niemals 
selbstständig geltend wird. Durch diese Verbindung des 
Strengen und Architektonischen mit dem Natürlichen und 
Lebensfrischen, durch diese ernste Naivetät machen diese 
Bildwerke sämmtlich den Eindruck des Erhabenen. An 
den Körpern der Götter und Ifleroen, namentlich an dem 
des Poseidon und des Theseus werden dann die Formen 
mächtiger und grossartiger, an Nebenfiguren dagegen, 
namentlich an dem leichter gewendeten Körper des Fluss- 
gottes Ilissus unter den Giebelstatuen, lebendiger und 
natürlicher. In der Haltung, wie unter andern an dem 
ruhenden Theseus, ist eine bewundernswürdige Verbin- 
dung des Lebendigen und Ungezwungenen mit einer 
hohen Würde. Wir befinden uns durchaus unter Göttern; 
die höchste Mannigfaltigkeit charakteristischer Individua- 
litäten kann noch nicht hervortreten, die gleiche olympi-
        

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