Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-882325
Zweite 
Periode 
der grie ch. 
Kunst. 
des Priamus im dritten Gesange der Ilias. Man sollte 
daher glauben, dass die Kenntniss und Aufmerksamkeit 
auf die feinern Züge des Seelenlebens sich nur erweitert 
haben könnte. Allein, wie man es bei ausgezeichneten 
Knaben findet, dass Talente, Welche sie frühe vereint 
besessen, später sich trennen, dass eines eine Zeit lang 
aussehliesslich vorherrscht, und das andere in den Hin- 
tergrund drängt, bis dann auch dieses sieh wieder geltend 
macht, so war es auch wohl in dem Entwiekelungsgange 
der Griechen. Jene Freiheit und Mannigfaltigkeit der 
Charaktere der homerischen Helden erlag nach den 
Heraklidenkämpfeil unter der strengen, regelrechten Hal- 
tung der dorischen Sitte, oder trat Wenigstens zurück. 
Bei Fürsten und aristokratischen Geschlechtern war eine 
so freie Entwickelung der Persönlichkeit natürlich gewe- 
sen; aber sie führte, vielleicht grade durch die Lebens- 
fülle des griechischen Charakters, zu wilden Kämpfen, 
zu einem rechtlosen Zustande, welcher den Ordnungssinn 
des Volkes verletzte. Da erschien denn die einfache 
Frömmigkeit, die republikanische Strenge, zumal nach 
dem Eindringen der ruhigern , nordischen , dorischen 
Stämme als etwas höchst Wünschenswerthes. Es entstand 
nun jene feste Gesetzlichkeit, Welche nicht bloss auf dem 
Marktplatze, im Gericht und in der Volksversammlung 
herrschte, sondern das Leben des Hauses bis auf die 
Ordnung des Tisches und der Tracht regelte. Jene feier- 
lichen Gestalten , die wir in den YVerken der ältern 
Kunst sehen , mit ihren steifen und festlich gefalteten 
Gewändern, mit dem unveränderlichen Blicke, dem gleich- 
mässigen Schritte und der Beobachtung fester Regeln 
bis in die Fingerspitzen, geben ein Bild dieses Zustan- 
des, in welchem es als das Höchste galt, sich strenge
        

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