Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-882313
Würdigung 
des 
bildnerisclxen 
Styls. 
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die 
für 
Überhand gewonnen, und in den Körpern 
die Schönheit der Verhältnisse mit einer 
ist der Sinn 
vollkomme- 
nen Kenntniss der Knochen und Muskeln verbunden, die 
selbst bis zur Täuschung natürlich ist. In der Kühnheit 
der Stellungen und in der Mannigfaltigkeit der Haltung 
äussert sich ein hoher Grad künstlerischer Freiheit. Die 
Bewegung ist dem Leben abgelauscht, nicht durch eine 
her-gebrachte Regel oder durch eine sclavische Nach- 
ahmung der Natur entstanden, und man fühlt, dass die 
Steifheit oder Unbeholfenheit, die an einzelnen Gestalten 
und in einzelnen Körperthcilen noch zurückgeblieben ist, 
auf diesem Wege freierer Beobachtung der Natur bald 
verschwinden muss. Nur in einer Beziehung können wir 
einen entschiedenen Mangel aufzeigen, in der Form und 
im Ausdruck der Köpfe. Schon die spröden, gedehnten 
Züge, die Missachtung des schief gestellten Auges, die 
übermässige Länge des Kinnes zeigen, dass der Sinn 
für das geistige Leben des Hauptes noch nicht soweit 
wie der für die Wohlgestalt des Leibes ausgebildet ist. 
Dazu kommt denn die lächelnde, nichlssagende Miene, 
welche sich bei Siegern und Unterliegenden , bei der 
Göttin und den Menschen, bei Griechen und bei Troern 
wiederholt, der Mangel an Verschiedenheit der Charak- 
tere und Mtlmellüe-t 
Diese Erscheinung kann im höchsten Grade befrem- 
den. Schon Homer, der so viele Jahrhunderte früher 
sang, zeichnet die moralischen Eigenthümlichkeiten seiner 
Helden so scharf. Er malt nicht bloss das Aeusserliche 
ihrer Handlungen  sondern auch die Gemüthsbewegungen. 
Schon ihr blosses Auftreten ist oft höchst bezeichnend 
für ihren Charakter; man denke nur an die 
der griechischen Helden im Gespräche der 
Schilderung 
I-Ielena und
        

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