Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-882295
Würdigung 
des 
bildnerischenm 
Styls. 
des Farbensinnes ebenso wie die Erinnerung an die uralte 
Gewohnheit, die Götterbilder mit wirklichen Prachtge- 
wändern zu bekleiden, in dieser frühem Zeit noch kräf- 
tiger sein musste. 
Betrachten wir 
die 
Werke 
der 
Plastik 
und 
Malerei 
zusammen, so lässt sich nicht verkennen, dass sie bei 
allen Mängeln und Unvollkolnmenheiten dennoch einen 
sehr Vortheilhaffen Eindruck machen. Selbst die frühesten 
Denkmäler dieser Zeit, an welchen das Harte und Steife 
überwiegt, sind nicht ohne Schönheit. Es ist nicht bloss 
die ruhige Frömmigkeit, die Unschuld und Einfalt des 
Sinnes, welche uns darin anspricht, sondern wir fühlen 
schon die Richtung auf das Kräftige und zugleich die 
leise Regung der feinen Empfänglichkeit für das Ge- 
nlässigte, Milde, Anmuthige, aus welcher sich später die 
hohe Schönheit des griechischen Styls entwickelte. Be- 
sonders charakteristisch ist aber der Ausdruck der Be- 
wegung, so hart und gewaltsam er auch dem Auge 
erscheint, weil wir darin das tiefe Gefühl für die Natur 
und XVahrheit, für das Entschiedene und Wirksame so 
naiv und unverschleiert erblicken. Es ist die Regsamkeit. 
und Kraft, die wir an den homerischen Gestalten lieben. 
Andererseits ist auch jene feierliche Zierlichkeit, der 
schwebende Gang , die wiederkehrende , absichtliche 
Grazie der Fingerhaltung, die architektonische, steife Re- 
gelmässigkeit der Gewandfalten nicht unschön. Sie bildet 
zwar einen Gegensatz, aber sie harmonirt auch zu der 
derben, markirten Behandlung der muskulösen Körper, 
und zu den heftigen, eckigen Bewegungen, und hält 
diesem Uebermaass gleichsam das Gegengewicht. Wir 
linden darin die beiden Elemente, deren Durchdringung 
das Wesen des Griechenthums ausmacht, die ruhige,
        

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