Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881915
Fremder 
oder 
einheimischer 
Ursprung. 
183 
weges so wunderbar. Ein Blick auf die uns wohlbekannte 
neuere Kunstgeschichte genügt, um das Phänomen zu 
erklären, denn auch hier vergingen Jahrhunderte in gleich- 
bleibender, todter Ruhe der Kunst, während sie sich dann 
wieder in kurzem Zeitraum glänzend entwickelte. Bei den 
Griechen aber war die Achtung und das Festhalten des 
Hergebrachten sehr viel stärker; das Bewusstsein 
des schwankenden Bodens, auf dem ihr sittliches und 
politisches Leben ruhete, musste jede Neuerung als ge- 
fährlich erscheinen lassen. Es hing dies mit der Mässi- 
gung zusammen, welche sie so eindringlich empfahlen und 
zu einer so schönen Eigenschaft ihres Wesens ausbilde- 
ten. Daher erklären sich denn die warnenden Stimmen 
wider jede Aenderung auch in der Kunst, die priester- 
lichen Verbote. der Aenderung von Tempeln und Götter- 
hildern. Aber diese Warnungen und Verbote hielten die 
geistige Entwickelung nicht zurück, denn das vermögen 
sie niemals. Ganz ähnliche Warnungen und- Verbote 
liessen sich in Rom hören, als gleichzeitig mit dem Verfall 
der Sitte griechische Weisheit und Kunst Eingang fand, 
aber sielverhallten ohne Erfolg. Verbote dieser Art sind 
gewöhnlich nur Zeichen, dass das Neue unaufhaltsam 
eindringt, vergebliche Versuche einer alten Richtung, die 
ihre Stütze nicht mehr im allgemeinen Bewusstsein hat. 
Sie waren es auch nicht, welche die griechische Kunst 
fesselten, sondern das allen Bessern gemeinsame Gefühl 
der ernsten Aufgabe ihrer Zeit in Begründung einer reinen 
und strengen Volkssitte prägte sich als heilige Scheu 
und Zurückhaltung in den strengen und starren Zügen 
der Gestalten bildneriseh aus. 
        

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