Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881604
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Griechische 
Kunst. 
Bestimmung dieser Gränzen hängt dann von dem Geiste, 
der die individuelle Kunst beseelt, und daher auch von 
der Nationalität des Volkes ab, und das, was die Grie- 
chen sich erlaubten, mag andern Zeiten und Völkern 
nicht geziemen. Sie, Welche die Natur in ihrer groben 
materiellen Wirklichkeit nicht kannten, durften sich ihr 
unbefangen nähern; das künstlerische Maass, welches 
ihr ganzes Leben regelte, verhütete die Gefahr, durch 
allzugrosse Ausdehnung des Gebiets einer einzelnen Kunst 
gemein und prosaiseh zu werden. Der strengere Ernst 
des christlichen Geistes und die leidenschaftliche Sinn- 
lichkeit der entbehrenden, nordischen Völker mag eine 
schärfere 'l'rennung der Kunstgattungen, eine grössere 
Gefahr des Versinkens in das Alltägliche und Unpoetische 
bedingen; bei den Griechen standen alle Künste einander 
nahe. Die Malerei blieb in Motiven und Mitteln dem 
plastischen Geiste treu, die Plastik verschmähete male- 
rische Andeutungen nicht, die Architektur erhöhete ihre 
Wirksamkeit durch Sculptur und Farbe, und wurde da- 
durch fähig, mit den plastischen Darstellungen und den 
Gemälden, welche ihre Räume und Wände schmückten, 
ein höchst harmonisches Ganze zu bilden. Die Poesie, 
im höchsten Grade das Körperliche durch leichte Andeu- 
tungen malend , und die Musik in ihrem strengen lllaasse 
die volltönenden , architektoniseh-symmetrischen Verse 
begleitend, schlossen sich den bildenden Künsten enge 
an. Im festlichen Aufzuge religiöser Feier oder auf dem 
Theater, das ja selbst ein religiöses Fest war, vereinig- 
ten sich dann alle Künste, um ein erhabenes und phan- 
tastisch freies Abbild des schönen griechischen Lebens 
im erschütternden Ernst der 'l'ragödie oder in den kühnen 
Scherzen der Komödie zu geben. Wie die Künste unter-
        

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