Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881590
Einheit 
der 
Künste. 
151 
und das künstlerische Leben, welches durch Anregung 
der Phantasie, über das bloss Stoffartige hinaus, erzeugt 
wird. Ohne solch freieres Andeuten wird die Kunst zur 
kalten, trockenen Verstandessache, und durch dasselbe 
erhält erst das geistige [Element und seine, nicht bloss 
die eine, sondern alle Richtungen des Daseins umfassende 
Kraft ihre Gestaltung. So stellt die Architektur in ihren 
Details auf plastische oder malerische Weise natürliche 
Formen dar, die Malerei wird selbstständig dichtend, die 
Poesie malt in beschreibenden Darstellungen , und die 
Plastik endlich kann das Malerische nicht völlig entbehren. 
Es verhält sich hier ganz ähnlich, wie in moralischer 
Beziehung. Ein Mensch, der nur nach moralischen Re- 
geln leben wollte, würde, wie gut auch diese Regeln 
Sein mögen, immer zu einem kalten, starren, lieblosen 
Wesen werden, und die Wärme des Gefühls, welche ihn 
diese Regeln zu modificiren und auszudehnen antreibt, 
ist eine höhere und wahrere Regel, wiewohl sie grade 
ausnahmsweise wirkt. Wie weit man in solchem freien 
Ueberschreiten der Regel gehen darf, ist auch in der 
Kunst nur durch das feine Gefühl zu bestimmen. Denn 
wie 
das 
Kunstwerk 
ohne 
allen 
Gebrauch 
der 
Motive 
fremder Kunstgattungen nüchtern und unbefriedigend 
bleibt, so nähert es sich durch übermässigeil Gebrauch 
derselben zu fsehr der prosaisehen Wirklichkeit. Die 
allzugenau malende Beschreibung ertödtet die Poesie, die 
Ueberladung mit darstellenden Verzierungen verkümmert 
die architektonische Wirkung des Gebäudes, die Neigung 
zu feinem, poetischen Motiven raubt der Malerei ihre 
körperliche Kraft, und ein spielendes Eingehen in das 
Malerische setzt die Würde der Bildsäule zur hässlichen 
Verzerrung oder zur todten Wachsfigur herab. Die nähere
        

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