Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881360
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Griechische 
Malerei. 
sehen 
Bildern schliessen 
können) 
keine 
besondere 
Gunst. 
Es fehlt diesen Bildern gi-ade das, was ihnen geistigen 
Werth verleihen konnte, das malerische Princip, und 
namentlich sind die landschaftlichen nur kahle kleinliche 
Spielereien, ohne Kraft und Empfindung. 
Diese Erscheinung ist sehr merkwürdig. Man sollte 
glauben, dass dem feinen Sinne der Griechen keine 
Schönheit der Natur entgangen wäre. Bei der Darstel- 
lung des Menschlichen hatte die moralische Richtung 
einen grossen Einfluss und wir haben schon bemerkt, 
dass diese der Malerei Weniger günstig war. Um so 
mehr hätte diese Kunst sich, scheint es, den Gegenstän- 
den zuwenden müssen , bei welchen diese moralische 
Rücksicht fortiiel und sie "den Wetteifer der Plastik 
nicht 
Zll 
fürchten 
hatte. 
Zwar sagte das Farbenmaterial der Griechen diesen 
Gegenständen nicht zu, da sie namentlich die Oehnalerei 
nicht kannten; allein man darf nicht zweifeln, dass sie 
bei ihrem grossen technischen Geschick sich hier zu 
helfen gewusst haben würden. Die Erfindung würde dem 
Bedürfnisse gefolgt sein. Noch Weniger darf man glau- 
ben ,A dass eine strenge Ansicht von der historischen 
Würde der Kunst sie von diesen Gattungen zurückge- 
halten habe; vielmehr können wir überall Wahrnehmen, 
wie sie bemüht sind, das Gebiet der Kunst auszudehnen, 
mit der Natur in jeder Beziehung zu wetteifern. 
Der Grund dieser Erscheinung scheint in einer Eigen- 
thümlichkeit ihres Gefühls f ür_die Natur zu liegen. 
Gewiss hatten die Griechen die feinste Empfänglich- 
keit, die innigste Wärme für die Schönheit der Natur, 
aber vielleicht nicht für alle Erscheinungen, und namentlich 
nicht für die, welche dem malerischen Princip entsprechen.
        

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