Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881166
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Griechische 
Plastik. 
Kopfe, von dem wir so eben sprachen, ist hierbei sehr 
wichtig. In diesem geistiger und edler geformten Körper 
wird schon von selbst jede Bewegung eine mehr gefühlte, 
und dadurch gemilderte, während in dem vollen, sinnlich- 
kräftigen Kopfe auch aus dem Ausdrucke des Leidens 
oder der Leidenschaft die äusserste Schärfe, die bloss 
dem Geiste angehört, verschwindet.  
Man sieht hieran, wie die Schönheit der Körperform 
von der moralischen Grundansicht abhängt. Dem Griechen, 
der kein höheres, geoffenbartes Gesetz hatte, welches 
die völlige Unterdrückung der sinnlichen Leidenschaft 
forderte, kömite nichts edler und würdiger erscheinen, 
als der Geist der Mässigung, der harte Ausbrüche un- 
möglich macht. Schon durch ein dunkles Gefühl zog ihn 
daher auch die Körperbildung am meisten an, welche 
geeignet war, allen Aeusserungen die mildeste Form zu 
geben. Hart und leidenschaftlich werden die Aeusserun- 
gen der Seele, wenn sie bei der Prätension der Ueber- 
sinnlichkeit mit der ihr nun unbekannten äussern Welt 
in Berührung kommt, und nun mit plötzlicher, unerwar- 
teter Gewalt herausbricht, milde aber, wenn die Seele 
sich der Körperwelt nicht so entzogen hat , der Körper 
dagegen von ihr völlig durchdrungen und durcharbeitet, 
und die natürliche Einheit beider "möglichst vervollkomm- 
net und ausgebildet ist. 
Wir begreifen ferner hiedurch , wie die Griechen 
der Kunst so entschieden eine sittliche Kraft beilegen 
konnten. Wo keine festen Vorschriften sind , ist die 
Macht des Beispiels am Grössesten; die Art der Aeusse- 
rung, die grössere oder mindere Heftigkeit der Bewe- 
gungen , die wir sehen , wirkt auf das empfängliche 
Gemüth, ähnlich wie der Takt auf den 'l'anzlustigen,
        

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