Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881153
Körperbildung. 
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kräftig, aber nicht selbstständig wuchcrnd, sondern durch 
die That und zur That ausgebildet. Durch dieses Ver- 
hältniss beider Theile ist die höchste mögliche Einheit 
des Ganzen hervorgebracht, der Kopf lässt sich von seiner 
geistigen Hoheit gleichsam zum Körper herab, während 
dieser in einer geistigen Verklärung gereinigt und ver- 
edelt erscheint. Der grosse Vorzug der Alten liegt darin, 
dass ihnen diese Auffassung natürlich war, während wir 
den Kampf des Hauptes mit den Gliedern, des Geistes 
mit der Sinnlichkeit nie vergessen können , und stets 
eines durch das andere leiden lassen. 
Im Ausdrucke und in der Bewegung rühmt man an 
den Alten mit Recht die Ruhe. Es lag etwas in ihrer 
Sitte, was darauf hinwirkte; die Oeffentlichkeit des Le- 
bens, die Wichtigkeit äusseren Anstandes, besonders aber 
jener Sinn für Mässigung, die Scheu vor dem Unschö- 
nen, Unwürtligen , die ihnen so tief eingeprägt war, 
musste unwillkürlich Sorgfalt, Vorsicht und Milde in ihre 
Handlungen und Bewegungen bringen. Bei den Spätern, 
besonders den Römern trat dies sogar mit gröberer Ab- 
sichtlichkeit hervor; es ist bekannt, dass Sterbende im 
Augenblicke eines unerwarteten Todes noch daran dach- 
ten, sich so zu wenden, dass sie Hinzutretenden keinen 
anstössigen Anblick gaben. Die Ruhe der Griechen War 
aber weit entfernt von der langsamen, weichlieheir Be- 
quemlichkeit der heutigen Orientalen, sie trug vielmehr 
immer den Charakter der zurückgehaltenen Thatkraft, 
und eben diese Verbindung. des Ausdrucks eines feurigen, 
lebenslustigen Geistes in dem gesunden, in Kampfspielen 
geübten Körper mit der ungezwungenen sittlichen Ruhe 
giebt der Schönheit der griechischen Gestalten einen so 
hohen Werth. Jenes Verhältniss der Körperform zum
        

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