Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881135
Körperbildung. 
105 
Pallas , 
WilS 
einen 
herben , 
stolzen , 
ernsten 
Ausdruc 
giebt. 
Das Kinn endlich ist rund und völlig, vielleicht stär- 
ker, als es b'ei uns vorkommt, und trägt dadurch dazu 
bei, den Göttergestalten , ungeachtet des Hohen und 
Edlen, das in ihren Zügen herrscht, einen Ausdruck sinn- 
licher Fülle und Behaglichkeit zu leihen. 
Wenn wir im Gesichte manche Züge finden, welche 
auf etwas eigenthülnliclm Nationales hindeuten, so lässt 
sich dergleichen am übrigen Körper weniger bemerken, 
vielmehr ist hier der feine Sinn und das tiefe Verständ- 
niss für den leisesten Ausdruck-unbedingt zu bewundern. 
Im Ganzen geht hier die Richtung der griechischen Kunst 
dahin, das Gesunde darzustellen; daher finden wir die 
Glieder nicht schwächlich, aber auch nicht zu voll ge- 
bildet, sondern so wie sie zur That , zur kräftigen, 
schnellen und leichten Bewegung am Meisten geeignet 
sind. Der Hals ist eher kurz, als zu lang, welches Letzte 
man für den Ausdruck eines weibischen Menschen hielt, 
der Nacken kräftig, mit vielen und feinen Modificaticnen. 
Die Beine sind eher schlank; an den Knieen ist mit fei- 
nem Takte soviel von dem natürlichen Knochenbau aus- 
gedrückt, als zur Bewegung nöthig ist , ohne in zu 
genaue Darstellung der Knorpel einzugehen. Die Pro- 
portionen ändern sich zwar nach Geschlecht und Alter, 
indessen ist häufig der Kopf etwas kleiner, als in der Natur. 
Schon nach diesen Bemerkungen können wir uns 
deutlichere Rechenschaft geben über den Totaleindruck 
des griechischen Ideals, wie es allen verschieden indivi- 
dualisirten Gestalten zum Grunde liegt. Der Kopf , in 
welchem Stirn und Nase in ihrer grossartigen einfachen 
Verbindung mächtig hervortreten, die Augen, die geöff-
        

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