Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881113
Körperbildung. 
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Schönheitssinnes von dem der Griechen, dass wir die 
hohe Stirn eher für eine Schönheit halten, sie unbedeckt 
tragen, Während jene sie so Wenig liebten, dass die Frauen 
sie sogar durch Binden zu bedecken und zu verkleinern 
suchten. Winkelmann glaubt dies schon dadurch zu er- 
klären, dass die hohe Stirn nur für das Alter geeignet 
sei, die Götter aber in ewiger Jugend gedacht würden. 
Allein gewiss nicht mit Recht; denn auch Jupiter, der, 
wenn auch keinesweges im Greisenalter, doch in den 
Zügen reiferer männlicher Jahre gedacht wurde , und 
in welchem der Charakter des Vaters der Götter und 
Menschen, die grosse, mehr geistige als körperliche 
Macht (in der bildlichen Vorstellung Wenigstens) ent- 
schieden vorherrscht, wird mit gleicher niedriger Stirn 
dargestellt. 
Um die Stirn herum ziehen sich die Haare in einem 
ununterbrochenen Bogen ohne Spur der Ecken an den 
Schläfen. Dies trägt dazu bei, die eiförmige Figur, W61- 
che der Gesichtsbilduilg zum Grunde liegt, deutlich zu 
machen. Die vordern Haare fallen mehr oder weniger 
auf die Stirn herüber; die Art, wie dieses geschieht, 
und überhaupt die Form des Haarwuchses zeigt die 
höchste Kunst und Sorgfalt, indem ohne eine kleinlich 
detaillirte Arbeit (in besserer Zeit namentlich ohne den 
Gebrauch des Bohrers) und ohne Aufopferung des Vor- 
theils grösserer Massen überall die Wirkung natürlicher 
und die Charakteristik schärfer ist, als an den meisten 
nlodernen Bildwerken. Die I-Iaartraeht ist fast für jeden 
Gott eine eigenthümliche, und zwar in dem Grade, dass 
man schon an ihr die Bedeutung der Köpfe erkennen 
kann. Zeus wird bezeichnet durch seine vollen, ambro- 
sischen Locken, von denen der Dichter singt , dass, wenn
        

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