Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881071
Trabanten 
der 
Götter. 
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welche Pallas, Artemis und Bacchos im Götterkreise dar- 
stellten, zur sinnlichen; während dort im Ganzen und 
selbst noch in Bacchos ein männlich kräftiger Zug vor- 
herrschte, der ihn dem stärkern Geschlechte erhielt, ist 
hier das Weibliche und Weichliche völlig ausgebildet. 
Wrohl gehörten die Hermaphroditen, wenigstens als Lieb- 
lingsgegenstände der Kunst, dem spätern, üppigen Zeit- 
alter an, sie waren aber ganz im griechischen Geiste 
gedacht, der bei aller Empfänglichkeit für das Individuelle 
und Reine doch Wieder die Neigung der Vermischung 
und Auflösung alles Gesonderten zu einer grossen Einheit 
empfand. Sie waren der höchste, unzweideutigste Aus- 
druck für diese Richtung, welche keinen Gegensatz dul- 
det, sondern Göttliches und Irdisches, Männliches und 
Weibliches, ja sogar Menschliches und 'l'hierisches'durch 
zarte Uebergänge vermittelt und zu einem grossen Kreise 
verbindet. In dieser verfänglichen Mischgestalt erkennen 
wir die Schwäche und die Gefahr dieser Richtung, im 
Ganzen aber, in den bessern Zeiten und an den höhern 
Gestalten, zeigt sich die hohe Schönheit dieser, wenn 
auch menschlichen und noch unvollkommenen Sinnesweise. 
Hier finden wir in der Kreisgestalt der Dinge niemals 
das höhere Element entwürdigt, sondern vielmehr das 
untergeordnete durch diese Verbindung geadelt und er- 
hoben. 
Bei den minder begabten Völkern ging der Dualis- 
mus aus der wohlbegründcten Furcht vor einem Versinken 
in grobe Sinnlichkeit hervor. Die Flucht aus dem Mate- 
riellen war das einzige Mittel der Erhebung zum I-Iöhern. 
Je weniger ein solcher Gegensatz sich ausbildete, desto 
unreiner und trüber blieb daher auch die Moral dieser 
Völker. 
Auch hier wieder haben die Griechen das Glück, 

        

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