Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-881034
Personification. 
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schaltete, desto grösser wurde die Zahl dieser allegori- 
schen Wesen, ohne dass jedoch selbst bis zu den letzten 
Zeiten des Heidenthums ein deutliches Bewusstsein über 
die Erzeugung derselben im Volke entstand. Man dachte 
sich, wenn man es auch nicht so aussprach, die morali- 
sche Welt ebenso wie die physische Natur, als eine 
Fülle einzelner, menschenähnlicher, selbstständiger Figu- 
ren, und die Einführung derselben durch die Kunst er- 
schien mehr eine Entdeckung als eine menschliche Erfin- 
dung. Die bildende Kunst machte von diesen Gestalten 
nicht weniger Gebrauch, als die Poesie, ja sie bedurfte 
derselben in noch höherem Grade. Denn da es den 
Griechen nicht einfallen konnte und ihre Kunstrichtung 
es nicht gestattete, das Feinste psychischer Bewegung 
in den Gesichtszügen und im Auge darzulegen, so War 
es nothwendig, Gestalten herbeizuführen, in welchen sich 
das Gefühl des Augenblicks verkörperte. So finden wir 
auf Vasengelnältlen über der Darstellung von Männern 
und Frauen beim fröhlichen Gelage einen Genius mit der 
Beischrift: Pothos, die Begierde. S0 war auf einem alten 
Gemälde , dessen Beschreibung Plinius giebt , neben 
Priamus und Helena die Leichtgläubigkeit, neben Ulysses 
und Deiphobos der Betrug in verkörperter Gestalt. Aehn- 
liehe Allegorien auf neuern Bildern erscheinen uns matt 
und ungenügend, weil der Künstler selbst ebensowenig 
wie sein Publikum an die Wirklichkeit dieser. Gestalten 
glaubt, die Griechen aber wurden sich dieses Zweifels 
nicht bewusst und ihre Phantasie stattete sie daher leicht 
mit 
allem 
Leben 
der Wirklichkeit 
aus. 
Daher finden wir 
denn auch auf den griechischen Bildwerken diese Perso- 
nificationen stets mit mythisch-hist0rischen Gestalten 
verbunden, und Compositionen von lauter allegorischen
        

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